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Till Brönner: endlich seriös?

Überzeugende Jazzscheibe

Till Brönner liebt man oder man hasst ihn. So einfach könnte es sein, ist es aber nicht. Einerseits ist der Jazztrompeter ein hochtalentierter Musiker, andererseits widmet er sich gern dem, was in Musikerkreisen gerne als Sellout bezeichnet wird und turnt alle Nase lang durchs Unterschichten-TV. Wenn man das ignoriert kann man an seiner neuen Platte durchaus Freude haben…

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Wenn der Name Till Brönner fällt, denkt man erstmal an Castingshows im Trash-TV von RTL und VOX, denkt an unsägliche Kollaborationen mit C-Sternchen wie Sarah Connor oder den No Angels, denkt an Carla Bruni und ähnliche Ausfälle, und in der Regel denkt man gar nicht weiter sondern hakt das Thema damit ab, und all jenen, die das tun, kann man es kaum zum Vorwurf machen. Brönner ist es gelungen, sich den eigenen Ruf als ernstzunehmender Musiker nachhaltig zu versauen. Nicht zuletzt deshalb wirkt seine neue Scheibe, die heißt wie er selbst, wie der Versuch eines Befreiungsschlags.

Vielleicht ist das ein Stückweit Selbsterkenntnis, vielleicht ein Umschwenken im letzten Moment, vielleicht auch bloß eine Marketingmasche, man weiß es nicht, und es ist auch Wurst. Brönner ist, dessen ist er sich sicher bewusst, nicht aufgrund seiner musikalischen Qualitäten zum erfolgreichsten Jazzer Deutschlands geworden, sondern weil jeder sein Gesicht kennt. Die meisten talentierten Jazzer führen nach wie vor ein Nischendasein in verrauchten Bars und leben von Kulturfördermitteln, nicht zuletzt, weil sie sich für den Fernsehzirkus zu schade sind, was sie wiederum höchst sympathisch macht.

Hätte Brönner einen anderen Weg eingeschlagen, dann würde er längst ernstgenommen, würde vermutlich als Geheimtipp gehandelt, und auf seinen Konzerten würde sich eher die Boheme anstelle der Teenies drängen. “Dieses Album wird auf fruchtbaren Boden bei denjenigen fallen, die für diese Musik offen sind. Der Erfolg lässt sich nicht alleine an Verkaufszahlen festmachen. Dieses Album war einfach auf meiner Agenda, und jetzt ist es da“, sagt Brönner über die Brönner-Platte, und der erste Satz trifft es voll und ganz. Also bitte jetzt: Mühe geben und all das Zeug, das einem beim Namen Brönner im Kopf herumschwirrt mal beiseite drängen, jede Münze hat zwei Seiten, diese auch.

Brönner setzt auf Understatement, die Rampensau hält sich im Hintergrund sowohl der eigenen Songs als auch der ambitioniert gecoverten Stücke, die mit Leichtigkeit ebenso daherkommen wie mit großer emotionaler Energie und, was am wichtigsten ist, mit Spielfreude. Und so stehen nicht selten die zahlreichen Gastmusiker, mit denen er das Album einspielte, im Vordergrund, und er selbst beschränkt sich darauf, Akzente zu setzen oder eine Linie vorzugeben, aus der aber auch mal ausgeschert werden darf. Ganz offen orientiert er sich am Kultlabel CTI und dessen Attitüde: ”Diese Alben blieben damals hinter ihren Erwartungen zurück. Trotzdem hatten sie ihre Qualität, weil man Freddie Hubbard eben nicht gebeten hat, irgendwelches gefälliges Zeug zu spielen, sondern ihm erlaubte, sich selbst treu zu bleiben. Von dieser Ästhetik war ich immer schon Fan und wollte in ebendieser Besetzung ein komplettes Album aufnehmen.” Und das kommt durch, in fast jedem Stück. Das ist zwar nicht CTI-revolutionär (kann es gar nicht sein), aber es ist gut und hörbar und wesentlich mehr als das Retortenzeug, das eine Mehrheit von Brönner erwartet. Also: Reinhören! Es lohnt sich! (gw)


Datum: 02.12.2012

 

 
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