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Adler: Back From The Dead

Groß, größer, Adler!

“Back From The Dead”: auf kaum einen Rockmusiker dürfte dieser Titel so sehr zutreffen wie auf Steven Adler, der, seit er 1990 bei Guns N’ Roses rausflog, ein Tief nach dem anderen durchmachte, sowohl im Privaten als auch in seiner Karriere. Und nun das: Neue Band, neues Album, und was für eins! Ganz ehrlich – niemand hätte ihm das zugetraut, und alle Lästermäuler dürfen exakt jetzt verstummen. „Back From The Dead“ ist eine große, krachende, zeitgemäße Rockscheibe, die beweist, dass Adler nichts verlernt hat, im Gegenteil. Er befördert den „Appetite“-Vibe ins 21. Jahrhundert.

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Selten sind Presse und Rockszene einer Meinung, doch Ende der Neunziger fragten sich beide einstimmig, ob Steven Adler noch das neue Jahrtausend erleben wird. Die Gunners schassten ihn auf dem Höhepunkt des Erfolgs, weil er aufgrund seiner Heroinabhängigkeit immer wieder für Verzögerungen bei den Aufnahmen zum Doppelalbum „Use Your Illusion“ sorgte, die meisten seiner Takes unbrauchbar waren. Dabei wäre „Appetite For Destruction“ ohne Adler undenkbar, so markant und eingängig war sein Spiel. Doch es half nichts. Ob Matt Sorum dann die richtige Wahl war, darf bezweifelt werden, erst mit Brian Mantia und Frank Ferrer haben GN’R wieder zu alter Stärke an den Drums zurückgefunden.

Für Adler selbst war der Rauswurf der Zusammenbruch seines Lebensentwurfs, wie er in seiner 2010 erschienenen Autobiografie „My Appetite For Destruction“ schreibt. Er versank noch tiefer im Sumpf von Alkohol, Drogen, Depressionen und erlitt zwei Schlaganfälle, seine Frau zerrte ihn wegen häuslicher Gewalt vor Gericht. Die Musikszene schrieb ihn ab. In den Nuller Jahren tourte er mit einer mittelmäßigen GN’R-Coverband namens „Adler’s Appetite“ durch US- und EU-Clubs, am Mikro stand zeitweise Jizzy Pearl, doch sogar der warf schnell das Handtuch. Derweil zelebrierte Adler seinen Drogenentzug vor laufender Kamera in den Realityshows „Sober House“ und „Celebrity Rehab“ – in letzterer wurde er während einer Liveaufnahme verhaftet, weil er Drogen dabei hatte.

Der Paukenschlag kam im April 2012, als Adler zusammen mit den anderen GN’R-Veteranen in die Rock N‘ Roll Hall Of Fame eingeführt wurde (Axl Rose und Izzy Stradlin blieben der Veranstaltung allerdings fern und kritisierten sie als Geldmacherei). Ein sichtlich gesundeter und gut gelaunter Steven Adler kündigte seine neue Band und sein neues Album an, und die zeitgleich veröffentlichte erste Single „The One That You Hated“ sorgte für staunende Gesichter. Schon damals war klar: Wenn das Album dieses Niveau halten kann, dann ist es ein Paukenschlag-Comeback, das Adler von Null auf Hundert befördern wird.

Und? Nunja, „The One That You Hated“ ist noch nicht einmal der beste Song auf der Scheibe. „Back From The Dead“ ist schlicht ein Meisterstück, sicher die größte Überraschung des Jahres und ein Album, das locker mit den wichtigen Rock-Releases 2012 mithalten kann. Zwar ist es schön für die Band mit Steven Adler (Drums), Jacob Bunton (Vocals, Guitar, Piano), Lonny Paul (Guitar) und Johnny Martin (Bass), dass sie mit Gastauftritten von Slash und John 5 werben kann, doch nötig wären die nicht gewesen. Das Quartett kann locker für sich selbst stehen. Es ist ihnen gelungen, einerseits den glorreichen Sleaze der Achtziger zu zelebrieren – samt Anleihen bei Crüe, L.A. Guns und Co. – und ihn zugleich in ein höchst modernes, zeitgemäßes Soundgewand zu kleiden, das zu keiner Sekunde angestaubt klingt. Getrieben werden die elf Tracks von Adler, dem es aller Unkenrufe zum Trotz gelungen ist, zu eben jenem unverwechselbaren Vibe zurückzufinden, dem schon „Appetite For Destruction“ vieles zu verdanken hat.

Ein weiteres Kunststück: Die von Jeff Pilson produzierte Platte klingt zugleich dreckig und geschliffen. Ein schwitzendes, kraftvolles, krachendes, melodisches Höllenfeuer aus Sex, Drugs und Rock N‘ Roll mit Lyrics die an Phil Lewis zu seinen besten Zeiten erinnern. Anspieltipps kann man kaum geben, da jedes Stück für sich überzeugt und das Gesamtwerk so rund ist, wie es nur geht. Wer noch zweifelt: Gebt Euch „Dead Wrong“, „Another Version Of The Truth“ und „The One That You Hated“. “Back From The Dead” wird jedem Freund gepflegter härterer Rockmusik akustische Orgasmen bescheren.

Gerrit Wustmann


"Back From The Dead": Steven Adler ist zurück!
"Back From The Dead": Steven Adler ist zurück!

Datum: 08.12.2012

 

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