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Bernd Jaeger: Friede

Auf der Suche nach dem verlorenen Frieden

Bernd Jaeger aus Bremen gehört zu den stilleren Vertretern der deutschen Lyrikszene. Obwohl er seit 2006 mit dem Künstlerhilfe-Stipendium des Bundes in Anerkennung seines Gesamtwerkes gewürdigt wird, ist er kaum präsent, wird wenig wahrgenommen. Schade eigentlich. Denn sein enormes literarisches Schaffen, das seit Jahren im Bremer Sujet Verlag erscheint, lohnt durchaus mehr als nur einen Blick. Mit „Friede“ ist soeben sei elfter Lyrikband erschienen, nach seinen umfassenden Zyklen „Meister Mensch“ und „Gesang der offenen Herzen“.

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„Vom reinen Gedanken, dieser / Gehirnprotuberanz, zum / Zungenwort, zur vom / Gefühl verfälschten Buchstabenreihe / auf dem Postulat des Papiers“ beginnt sein schlicht „Das Gedicht“ betiteltes Gedicht, und es birgt einen ersten Eindruck der Schwere, die sich hinter jeder Versgeburt bei Bernd Jaeger verbirgt, einen Eindruck auch der Schwere des Schicksals eines Lyrischen Ich, das sich demgegenüber oft mit erstaunlicher Leichtigkeit seinen Weg durch das Dickicht der Seiten (über 300 in diesem Fall!) sucht.

Vor allem aber besticht er mit einer Trockenheit, die immer wieder einen herrlich abgeklärten Humor in sich trägt, eine Hintersinnigkeit, die im Spiel mit der Sprache das Vordergründige ins Absurde führt, so wie in „Leistung“: „Eine Kreuzung zwischen / Schneeglöckchen und / Märzenbecher zeigte sich effektiv / am 11. Februar 2009 am / Rande des Neustadtparks bei / Vollmond.“ Und ja: Bremen steht oft im Mittelpunkt, es sind lyrische Spaziergänge bei schlechtem Wetter – oder bei gutem, hinter dem das schlechte lauert, als wüssten wir, dass die Wettervorhersage ein unvorhersehbares Verfallsdatum hat.

„Ich habe Zeit für Nichts, / die Straße scheint schön, / am End trag ich alles mit.“ Gedichte, die mit dem Erinnern hadern, das zum Jetzt wird, und genau das ist das Problem, denn das Jetzt verweist zwangsläufig immer auf sein nahendes todsicheres Ende. Und was dann? Man weiß es nicht, der Dichter erst recht nicht, aber zumindest kann er dieses Gefühl der Schwebe einfangen, kann zweifeln und Fragen stellen. Vor allem wirft das die Frage nach der Doppeldeutigkeit des Titels auf. Um was für einen Frieden geht es hier? Den Frieden im Sinne von ruhig und friedlich, um den Frieden, den man mit sich selbst und seinem Leben macht, den Frieden, der am Ende über allem ruht? Vermutlich geht es um all das und mehr.

Jaeger erwischt den Leser, wenn er es gerade nicht erwartet, indem er in offenen Wunden bohrt, oder indem er Sprachbilder von unfassbarer Schönheit findet, wie das von den Schwalben die sich ins Tal „vertiefen“. Es bleibt diesem Dichter zu wünschen, dass er noch zu Lebzeiten entdeckt wird. Und sei es nur von Enzensbergers berühmten 1354.

Gerrit Wustmann


Bernd Jaeger "Friede", Gedichte, Sujet Verlag, Bremen 2013
Bernd Jaeger "Friede", Gedichte, Sujet Verlag, Bremen 2013

Datum: 08.03.2013

 

 
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