logo
Werbung;
Cineastentreff Kino Film Filmstarts - Neu im Kino Kino Film B.B. King: The Life of Riley

B.B. King: The Life of Riley

Der “Thrill” ist noch da

John Lennon grämte sich, nicht so spielen zu können wie er. Aber auch B.B. King selbst plagt sich noch im hohen Alter mit Selbstzweifeln. Vielleicht zählt der Anspruch, dem Publikum immer das Beste zu geben, mit zu den Gründen, warum der 87-Jährige zu den erfolgreichsten Bluesgitarristen aller Zeiten zählt. Wie er dazu wurde, erzählt Jon Brewer in einer berührenden, materialreichen Dokumentation (Kinostart 9. Mai).

Werbung;

 

Um es gleich vorwegzunehmen: „B.B. King – The Life of Riley“ ist kein Konzertfilm, der minutenlange Ausschnitte aus den zahlreichen legendären Auftritten zeigen würde. Im Zentrum steht vielmehr der zweite Teil des Filmtitels: das Leben des Mannes, der 1925 als Riley B. King geboren wurde und später die Abkürzung für „Blues Boy“ zu seinem Vornamen machte. Erzählt werden die biografischen Stationen von den frühen Verlusten der Kindheit über die ersten Erfolge als Radiomoderator und die Chart-Erfolge in den 1950ern bis zum internationalen Durchbruch. Von ihm wurde der schwarze Musiker quasi überrollt, als sich Ende der 1960er so ziemlich alle Heroen der weißen Hippiegeneration vor dem „King of Blues“ verneigten: etwa Mick Jagger, Bono, Eric Clapton oder Carlos Santana, um nur die bekanntesten zu nennen. Und B.B. King 1970 mit „The Thrill is gone“ seinen größten Hitparadenerfolg feiern konnte.

Was das Phänomen B.B. King ausmacht, fasst Carlos Santana an verschiedenen Stellen des Films wohl am besten zusammen. Es gehe nicht um technische Finessen des Spiels, die man nachahmen könnte. Sondern darum, dass bei dem großen Vorbild die Töne direkt aus dem Zentrum des Herzens in den Verstärker fließen. B.B. King spielt den Blues nicht, er lebt ihn. Darum ist der streng chronologisch aufgebaute Film gerade in seinen Anfängen am stärksten. Wenn er nämlich anhand von Fotos und mit zum Teil nachgestellten Szenen tief in die ärmlichen Lebensverhältnisse des Mississippi-Deltas eintaucht, wo er schon als Kind auf den Baumwollfeldern schuften musste – und mit neun Jahren seine Mutter, mit 14 seine Großmutter verlor.

Vieles von dem, was B.B. King in den zum Teil älteren Interviews aus seinem Leben erzählt, kann man auch in der Autobiografie „Ein Leben mit dem Blues“ nachlesen. Etwa die Geschichte, warum er seine Gitarre „Lucille“ nennt – nach dem Namen einer Frau, um die sich zwei Männer stritten und dabei einen Brand auslösten, in dem das Instrument beinahe zerstört worden wäre. Was man aber in dem Buch nicht bekommt, sind die vielen Statements von Freunden, Weggefährten und Verehrern, in denen Jon Brewer auch ein paar berührende Momente einfängt. Zum Beispiel, wenn er Kings zweite Frau vor der Kamera hat, und sich die Verzweiflung über eine große, aber letztlich nicht lebbare Liebe in den Mundwinkeln spiegelt.

Abgesehen von kurzen Schlaglichtern auf kurzlebige Beziehungen – King hat 15 Kinder von 15 Frauen – darf man von einem Film, der so viele Bewunderer zu Wort kommen lässt, wenig anderes als Heldenverehrung erwarten. Der größte Kritiker von B.B. King ist in dieser Doku der Meister selbst. Aber wie er das tut, mit welcher Gelassenheit und welchem Charme er auch seine Schwächen betrachten kann – das ist allein schon sehenswert.

Peter Gutting


B.B. King: The Life of Riley - Doku über den Blues-Gott
B.B. King: The Life of Riley - Doku über den Blues-Gott

Datum: 27.03.2013

 

Weitere Artikel, die Sie interessieren könnten:

    Chris Rea: Santo Spirito Blues
    Da ist er wieder: Chris Rea! Hat wirklich jemand ernsthaft geglaubt, dieser Mann würde sich aus dem Musikgeschäft zurückziehen? Nein, selbst die Auszeit, die er sich aufgrund seiner schweren Erkrankung ...

    Walkin Man: The Best of Seasick Steve
    70 Jahre ist Steve Wold alias Seasick Steve inzwischen alt. Den Jugendwahn der Musikindustrie hat er überlebt. Mit Mitte sechzig trat er 2006 bei Jools Holland auf – und prompt wurde sein Debütalbum zum ...

    Silje Nergaard: Unclouded
    Mit „Unclouded“ legt die norwegische Songwriterin Silje Nergaard bereits ihr zwölftes Album vor – das Fans wie Kritiker gleichermaßen überraschen wird, nicht zuletzt nachdem sie Ende 2010 einen Ausflug ...


 
Werbung;

 



itemid = 31 - errorid = 6031 - id = 9489 - task = view - option = com_content - limitstart= 0