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FairPhone: Das Fair-Trade-Smartphone?

Entwickler aus Amsterdam präsentieren Technik mit Gewissen

Spätestens seit dem ersten iPhone erobern Smartphones als ständige Begleiter die Welt; gut ein Drittel aller Menschen trägt bereits so einen Hosentaschencomputer mit sich herum. Den Markt beherrschen klar Samsung und Apple, aber auch zahlreiche weitere kleine und große Hersteller wie htc, LG, Nokia, Asus, Sony oder das chinesische Staatsunternehmen Huawei versuchen, mit Innovationen zu punkten und ihr Stück vom Kuchen abzubekommen. Ein Entwicklerteam aus Amsterdam präsentiert mit dem FairPhone nun aber die erste wirkliche Innovation seit Jahren: Ein nachhaltiges Smartphone. Was verbirgt sich dahinter?

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Egal ob man nun ein High-End-Smartphone von Apple oder Samsung bei sich hat oder mit einem einfacheren Modell zufrieden ist, der Technik-Luxus hat seinen Preis. Und damit sind nicht jene Preise gemeint, die man an der Ladentheke bezahlt. Der Preis für den Luxus sind auch hier – nicht bloß in der Textilindustrie – die Lebens- und Arbeitsbedingungen von Menschen am anderen Ende der Welt. Die Skandale beim Zulieferer Foxconn, bei dem zahlreiche Hersteller fertigen lassen, hallen noch nach. Am schlimmsten ist es aber um die Gewinnung der Seltenen Erden bestellt, die zur Herstellung der Chips gebraucht werden. Vor wenigen Jahren zeigte der Dokumentarfilm „Blood in the Mobile“, wie die Rohstoffe von Arbeitern in afrikanischen Bürgerkriegsregionen abgebaut werden, zu Bedingungen, die unvorstellbar sind.

Die Hersteller – im Film war es Nokia – reden sich dann gerne damit heraus, dass sie die Lieferketten nicht kontrollieren könnten, wälzen die Schuld auf ihre Vertragspartner in Afrika und Asien ab. Doch tatsächlich geht es nur um eins: Profit. Sicher wäre es kein Problem, den Kunden zu sagen, sie müssten zehn oder zwanzig Prozent mehr zahlen, wenn dadurch auch die Arbeiter an der Quelle von den Umsatzmilliarden, die mit der neuen Technik gemacht werden, profitieren könnten. Wobei das nichtmal nötig wäre. Die Margen der Branche sind hoch, zumeist kosten die Geräte in der Herstellung allenfalls die Hälfte des Verkaufspreises.

Würden die Hersteller (und das gilt auch für zahlreiche weitere Branchen) sich an einen Tisch setzen und Druck auf die Länder ausüben, in denen sie produzieren lassen, es wäre wahrscheinlich ein Leichtes, die Arbeitsbedingungen dort zu verbessern. Aber daran haben die Hersteller kein Interesse. Und auch die Kunden scheint es nicht zu interessieren, sonst würden sie mehr Druck machen. Nun aber prescht eine Entwicklergruppe aus Amsterdam vor und will mit dem Fairphone zeigen, dass es auch anders geht. Derzeit läuft die Vorbestellung. Nur wenn ausreichend Bestellungen zusammenkommen, kann das Gerät in die Fertigung gehen.

Hinter dem Fairphone verbirgt sich ein Mittelklasse-Smartphone: Der HD-Touchscreen misst 4,3 Zoll, im Inneren werkelt ein Quad-Core-Prozessor mit einem Gigabyte RAM. Der interne Speicher von 16GB kann per MIcroSD um bis zu 32GB erweitert werden. Als Betriebssystem fungiert Android 4.2 Jelly Bean. Die Kamera löst mit acht Megapixeln auf, Besonderheit ist die DualSIM-Funktion. Aus den ersten Ankündigungen erschließt sich, dass es sich um ein durchaus solides Gerät handelt, das, so unsere Schätzung, im Alltag durchaus mit der Konkurrenz vom Massenmarkt mithalten kann. Soll heißen: Es ist nicht bloß ein unbedeutender Exot, sondern etwas, das man ernsthaft in Erwägung ziehen kann.

Drei Jahre Arbeit stecken in dem Projekt, in dem es vor allem darum geht zu zeigen, dass man Smartphones auch zu fairen Bedingungen herstellen kann, in China. Und dass dies auch nicht zu monströsen Preissteigerungen führt: Das Fairphone soll 325 Euro kosten und liegt damit schon fast im unteren Preissegment. Möglich wurde das durch die enge Zusammenarbeit mit Nichtregierungsorganisationen. Den Machern geht es darum, stets zu wissen, wo die einzelnen Bauteile herkommen und wie sie produziert wurden. Die Macher sagen dabei offen, wie schwierig das ist, allein die Lieferketten zu durchschauen, die bei bestimmten Materialien inzwischen so verzweigt sind, dass effektiv die Herkunft verschleiert wird – wohl aus guten Gründen. Sie sagen aber zugleich, dass es machbar ist und bieten zudem auch einen Rückgabeservice für Altgeräte an – momentan nur in Holland, später auch in weiteren Ländern. Denn die ausrangierten Geräte landen bisher auf riesigen Müllhalden in der Dritten Welt, die reine Giftschleudern sind. Dabei wäre gerade hier das kontrollierte Recycling sinnvoll, beispielsweise um die seltenen Materialien, die in den Chipsätzen verbaut sind, einzuschmelzen und erneut zu verwenden.

Wir werden das Projekt weiter beobachten und hoffen, dass es erfolgreich wird. Nur wenn es gelingt, ein Bewusstsein für die Problematik zu schaffen, kann sich etwas ändern – und hierbei sind vor allem die Konsumenten gefragt, Druck auf ihre Hersteller auszuüben oder alternative Projekte wie das FairPhone zu unterstützen. (gw)


Das FairPhone: Amsterdamer Entwickler präsentieren Smartphone aus fairer Herstellung (Bild: Fairphone, cc)
Das FairPhone: Amsterdamer Entwickler präsentieren Smartphone aus fairer Herstellung (Bild: Fairphone, cc)

Datum: 17.05.2013

 

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