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Stephen King: Joyland

Zurück zu den Wurzeln…

Es scheint, als würde National-Book-Award-Träger Stephen King fleißig an seinem Alterswerk feilen; in den letzten drei Jahren hat er einige seiner bislang besten Bücher veröffentlicht, darunter das apokalyptische „Die Arena“ und seinen Kennedy-Roman „Der Anschlag“. Mit „Joyland“ legt er nun eine ruhig erzählte Geschichte vor, in der der Tod umgeht in einem Vergnügungspark namens Leben. Ein Glanzstück!

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Um sich sein Studium zu finanzieren heuert der einundzwanzigjährige Devin Jones im Sommer 1973 als Hilfskraft im Vergnügungspark Joyland an. Er ist am Boden zerstört, nachdem seine erste große Liebe ihn verlassen hat, und der Mittsechziger Jones, aus dessen Perspektive der Roman erzählt wird, berichtet augenzwinkernd und mit großer Sympathie von der jugendlichen Naivität seines jüngeren Ich. Devin will für eine Weile raus aus der Uniwelt, will man „richtige“ Arbeitsluft schnuppern, zumal er den Tod seiner Mutter noch nicht wirklich verdaut hat und das innige Verhältnis zu seinem Vater nicht unbelastet ist. Er mietet sich ein kleines billiges Zimmer am Strand und lässt sich von den alteingesessenen Schaustellern, die ihre Besucher herablassend als „Tölpel“ bezeichnen, in ein Geschäft einweisen, das wie kein anderes ist. „Wir verkaufen Spaß“, sagt der kauzige 93jährige Besitzer des Parks.

Doch da gibt es noch diese Geschichte, die sich die Mitarbeiter hier erzählen: Vom Geist der jungen Frau, die vor Jahren in der Geisterbahn ermordet wurde. Der Täter wurde nie gefasst, aber manchmal soll sie noch im Bauch des „Horror House“ herumspuken. Devin macht sich darüber erstmal keine Gedanken, doch eines freien Tages fährt er mit seinen Freunden Tom und Erin hindurch, und als sie wieder rauskommen ist Tom kreidebleich. Devin beginnt, Nachforschungen anzustellen, während er sich mit Annie und ihrem schwerkranken Sohn Mike anfreundet, die unten am Strand wohnen und sonst eigentlich mit niemandem sprechen. Während die Leute sich die Münder über die beiden zerreißen, lernt Devin das harte Schicksal kennen, das hinter ihrer Zurückgezogenheit steckt.

So aufgeregt und unsicher der junge Devin sich ans Leben herantastet, so abgeklärt berichtet der alte Devin von alldem, und ist es Zufall, dass das halbe Personal der Geschichte in der Zwischenzeit längst gestorben ist? Der Killer, der ausgerechnet in der Geisterbahn zuschlägt ist, das wird bald klar, letztlich nur ein winziges Rädchen im großen Getriebe des Todes. Das zeigt ausgerechnet der neunjährige Mike, der im Wissen dass er bald sterben wird, lebendiger und lebensfroher ist als all die Menschen um ihn herum, die an den kleinen Nichtigkeiten des Lebens verzweifeln. Mit sanftem und leisem Tonfall erzählt King hier eine große und vielschichtige Story voller Untiefen und Unwägbarkeiten und mehr als je zuvor macht er dem Leser bewusst, dass Geister und Co nichts als Symbole und Manifestationen der Ängste und der ganz realen Abgründe des Trivialen sind. Die Geister sieht nur der, der an sie glaubt. Und der erste ist ausgerechnet der abgebrühte Rationalist Tom, der zwanzig Jahre später einem Hirntumor erliegt. Aus der Bahn geworfen zu werden, dieses Sprichwort manifestiert sich in den Gleisen der Geisterbahn des Joyland Parks. Ein Park, in dem Spaß verkauft wird. (gw)


Stephen King: Joyland, Roman, Heyne Verlag 2013, Hardcover, 350 Seiten, 19,90 Euro
Stephen King: Joyland, Roman, Heyne Verlag 2013, Hardcover, 350 Seiten, 19,90 Euro

Datum: 16.06.2013

 

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