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Katja Kutsch: Song für Song

Unkonventionelle Lovestory mit Rufus Wainwright

Die Hürther Autorin Katja Kutsch veröffentlichte 2007 mit der Kurzgeschichtensammlung „Schützenfest“ (Verlag Ralf Liebe) ihr erstes Buch – nun legt sie nach und liefert mit „Song für Song“ ihr Romandebüt als Kindle-eBook. Den Roman zeichnet aus, was schon in ihren Short Stories hervorstach: Unkonventionelle, absurde, verrückte und dabei stets liebenswerte Figuren. Bereits zweimal erhielt sie für ihre Texte Literaturpreise.

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Henrik weiß nicht mehr weiter. Er lebt von Hartz IV und in den Tag hinein, weiß mit sich nichts Rechtes anzufangen, leidet unter seiner herrschsüchtigen Freundin, die in der Beziehung klar die Hosen anhat. Dumm ist er nicht, nur eben nicht konsequent genug, um aus seinem Leben etwas zu machen. Ein Studium und eine Ausbildung hat er abgebrochen. Er mag Musik und spielt Klavier, aber für ein eigenes hat er kein Geld. Und dann liegt ihm ständig seine „bessere“ Hälfte in den Ohren und beschwert sich, dass sie sich nichts leisten können, dass er ihr nie richtige Geschenke macht. Also entscheidet er sich recht tapsig für die krumme Bahn: Ein Einbruch in ein Haus im Nobelviertel soll es richten. Umverteilung quasi, schließlich tut es den reichen Säcken nicht weh, und die sollen auch mal was abgeben. Er kraxelt durch ein Kellerfenster – und hört Musik aus dem Wohnzimmer. Und hält inne.

In besagtem Wohnzimmer sitzt an einem Sonntagabend Pätti und frönt ihrer Leidenschaft. Sie sieht sich – wie jeden Sonntag um Punkt 21 Uhr, wenn ihr Mann Hendrik für drei Tage das Haus verlässt – eine Live-DVD von Rufus Wainwright an und erinnert sich an den Konzertabend, den sie in persona erlebt hat. Sie flüchtet aus der Realität, denn die ist nicht wirklich rosig. Das große Haus, das viele Geld? Interessiert sie alles nicht wirklich. Die zerrüttete Beziehung zu ihrem Mann, dem unerträglichen Rationalist und Besserwisser, der keine Gefühle zeigen kann, beschäftigt sie. Da hört sie ein Geräusch. Ein Einbrecher? Sie durchsucht das Haus. Und auf einmal vernimmt sie eine Stimme aus dem Keller. Da singt jemand mit.

Die unglückliche Pätti lässt den Amateureinbrecher herein und bittet ihn auf ein Glas Wein, sich zu ihr zu gesellen. Es entspinnt sich eine herrlich schrullige Romanze zwischen zwei Menschen, die beide mit ihrem Leben unzufrieden sind und ihre geheimen Wünsche auf den jeweils anderen projizieren. Und die beide an einen Punkt gelangen, an dem sie eine Entscheidung für die Zukunft treffen müssen. Im Grunde sind es zutiefst tragische Figuren, die Kutsch hier zeichnet, die mit einer fast kindlichen Naivität durchs Leben stapfen, die sie liebenswert macht. Trotz einiger Längen ist „Song für Song“ ein kurzweiliger Roman über Leute, die man aus der eigenen Nachbarschaft zu kennen glaubt. Nicht nur für Fans von Rufus Wainwright ein klarer Lesetipp! (gw)


Katja Kutsch Debütroman "Song für Song" gibt es als Kindle-eBook für 2,99 Euro
Katja Kutsch Debütroman "Song für Song" gibt es als Kindle-eBook für 2,99 Euro

Datum: 20.06.2013

 

 
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