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Mohammad Ali Shakibaeis Briefgedichte

Deutsches Debüt des iranischen Lyrikers

„Ich berühre das Meer erst wenn Du kommst“ lautet der poetische Titel von Mohammad Ali Shakibaeis neuem Lyrikband, der sein deutsches Debüt ist. Ursprünglich erschien der Band mit Briefgedichten bereits vor einigen Jahren in einem kleinen Verlag in Teheran. Der Wuppertaler NordPark-Verlag legt nun die von Hossein Mansouri übertragene deutsche Fassung vor.

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Shakibaei wurde 1958 in Behbahan geboren und lebt seit Anfang der Achtziger in Deutschland. Schon früh schrieb er Gedichte, die auf Persisch erschienen, später auch eine Handvoll Texte auf Deutsch, die er zu Anthologien beisteuerte, sein erstes Buch „Das verrückte Lächeln des Windes“ erschien 1993 bei Far Nashr in Teheran, zu Aram Moosakhanians Platte „Ghazaleh Nagofteh“ steuerte er die Texte bei; von 1996 bis 2001 gab er in Bonn die persische Avantgarde-Zeitschrift „Khat“ heraus, ist Mitglied im PEN und der Else-Lasker-Schüler-Gesellschaft. Ein umtriebiger Literat, der sich für die lyrische Formensprache interessiert und für die gleitenden Übergänge zwischen unterschiedlichen Kunstformen, im Zentrum stets das Wort. Es wurde höchste Zeit, dass sein Werk deutschsprachigen Lesern zugänglich gemacht wird.

Die Form des Briefgedichts geht auf die Antike zurück und wurde auch im westlichen Kulturkreis immer wiederbelebt, ebbte nach dem Barock aber ab. In Iran werden bis heute Briefgedichte geschrieben, die bekanntesten der jüngeren Zeit sind diejenigen von Seyyed Ali Salehi, aber auch Mohammad Ali Shakibaei weiß diese Form stilsicher in die heutige Zeit zu transportieren.

Seine Texte stehen deutlich in der Tradition der typisch persischen Melancholie, er bedient sich reichhaltig aus der Natursymbolik, schreibt sehr prosaische Liebesgedichte und zweifelnde Zwiegespräche, sei es der Dialog des Briefeschreibers mit dem eigenen Ich. Aber unter der Oberfläche geht es letztlich immer um das Material selbst, um die Sprache und ihre Untiefen. Die Wörter werden personifiziert, entwickeln ein sichtbares Eigenleben, das dem Schreibenden entgleitet, er kann die Wörter, die Sprache nur erforschen, wenn er sie wirken lässt: auf sich, auf die Welt. Wenn er ihnen den Raum gibt, den sie verlangen. Und letztlich ist Sprache kein technisches Mittel, um das Vorfindliche begreifbar zu machen, sondern das Leben wird aus der Sprache heraus überhaupt erst erschaffen. Hierin liegt die Faszination dieser Texte und Fragmente, die so leicht und sanft daherkommen, dass man ihnen rasch verfällt. (gw)


Datum: 30.06.2013

 

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