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Chris Evans & David Hanselmann: Stonehenge

Neuauflage nach 33 Jahren

1980 erschien „Stonehenge“ von Chris Evans und David Hanselmann erstmals; es war eine Scheibe, die keinen großen Wind verursachte, die in der größeren Öffentlichkeit so gut wie nicht wahrgenommen wurde, unter Puristen und Klangfetischisten daher umso mehr. Die Platte entwickelte sich zum Geheimtipp, wurde zuletzt gebraucht zu absurden Preisen von 150 Euro und mehr gehandelt. Jetzt ist bei Warner, 33 Jahre nach der Erstveröffentlichung, eine remastered Edition erschienen, mit neuen Songs und neuem Schliff. Auch wenn manche Nachbesserung eher Verschlimmbesserung ist – man kann diesem Album nur wünschen, dass es jetzt endlich die gebührende Aufmerksamkeit erfährt.

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Die Stimme von Triumvirat-Sänger David Hanselmann ist über jeden Zweifel erhaben. Eine der beeindruckendsten Rockröhren seiner Zeit. Umso erstaunlicher, dass seine Zusammenarbeit mit Filmkomponist Chris Evans, der sich – für die Achtziger völlig zeitgemäß, heute eher skurril – als Synthesizer-Pionier entpuppte, so klanglos unterging. Denn seien wir mal so ehrlich: „Stonehenge“ gilt in bestimmten Kreisen zwar als Kultalbum, ein Kassenschlager war es aber nicht. Leider, denn es hätte das Zeug dazu gehabt. Jetzt gibt es die 1981 beim Montreux Festival mit dem Grand Prix ausgezeichnete Platte wieder – remastered und mit vier neuen Tracks. „From Then Till Now“ heißt der bescheidene Untertitel der Neuauflage.

„Stonehenge“ wurde zu Recht mit Yes und dem Alan Parson’s Project verglichen, bewegt sich auf der Grenzlinie zwischen Siebziger-Rock und Synthie-Pop, und wenn man sich erstmal mit den sphärischen Klängen arrangiert hat, taucht man rasch eine in die mystische Atmosphäre, deren Bilder nicht mehr ganz so aufregend sind, weil längst zahllose Goth- und Metalbands sich an ihnen abgearbeitet haben, aber was man noch nachfühlen kann ist die Faszination einer Früh- und Aufbruchszeit, die inhaltlich und musikalisch damals neue Akzente zu setzen versuchte, die durchaus innovative Arrangements mit erprobten und zeitlosen Konzepten der Rockmusik kombinierte und auch auf „Stonehenge“ den ein oder anderen Song mit Ohrwurmcharakter hervorbrachte, allen voran das eingängige „Salisbury Plain“.

“Ich wurde im Westen Englands geboren, ungefähr 20 Meilen nördlich von Stonehenge”, erklärt Chris Evans. “Und als ich noch klein war, besuchte ich die Kultstätte im Sommer oft mit meinen Eltern. Damals konnte man einfach so hinfahren: Es gab keine Zäune, die das Gebiet eingrenzten (niemand verlangte Eintritt!), und man konnte sich einfach auf die Steine legen und unschuldig in diesem wundervollen Monument herumspielen, was viele Kinder auch taten! Und dann waren da die Lerchen. Eine meiner schönsten Kindheitserinnerungen.” Ein wenig ist dies eine Analogie zum Album. Klänge aus einer anderen Zeit, ein wenig naiv vielleicht, noch nicht so abgeklärt und overproduced wie man das heute machen würde, vor allem aber frei von all dem, was Musik heute zu einem Produkt im Konsumismus macht: Es geht hier um die Musik an sich und um den unverstellten Blick, der scheinbar mehr und mehr abhanden kommt, ausgenommen vielleicht ein paar ganz große, die es sich noch leisten können, einfach das zu tun, wozu sie gerade Lust haben.

In diesem Sinne: “Nicht weit weg von Stonehenge gab es dann Avebury, das wahrscheinlich noch berühmter ist als Stonehenge”, fährt Evans fort. “Riesige Steine umgeben das Dorf, das in der Nähe von Silbury Hill liegt. An manchen Tagen besuchten wir auch das Kloster von Glastonbury und stiegen den Tor hinauf, von wo aus wir bis Cadbury blicken konnten. Ich stellte mir immer vor, wie König Arthur sich auf die Isle of Glass zurückzog, um dort zu sterben, oder träumte davon, wie ich mit ihm gegen Lancelot kämpfte, nach dessen Verrat mit Guinevere. Diese Orte bilden die Basis für das Album Stonehenge. Und ganz egal, wie alt Du bist – Orte wie Stonehenge, Avebury, Glastonbury und sogar Avalon sind großartige Orte, um gigantische Settings zu schaffen, ein exotischer Himmel auf Erden, wo man für einen Moment seine Sorgen vergessen und einfach nur träumen kann.”

Der Begriff Konzeptalbum wird heute mitunter eher abwertend gebraucht; dass das völlig unangebracht ist, zeigen Evans und Hanselmann mit „Stonehenge“: Sie verfolgen zwar eine klare inhaltliche Linie, erfreuen sich aber an Brüchen und Überraschungen. Dass es so wenig vorhersehbar ist, ist eine der großen Stärken von „Stonehenge“. Nur bei der Bearbeitung für die Neuauflage haben es die beiden (auf Betreiben von Warner?) übertrieben. So froh die Fans sind, dass es das Album wieder gibt, so sehr stoßen sie sich an den weiblichen Choreinlagen, neuen Backing-Vocals und neuen Instrumental-Elementen, die im direkten Vergleich mit dem Original mitunter doch etwas zu viel des Guten sind. Das übrigens wäre die Möglichkeit gewesen, die Sache rund zu machen: Der neuen Version das Original noch als Bonus beizulegen. Hier hat Warner eine Chance verschenkt. Aber vielleicht kommt das ja noch, ist ja in digitalen Zeiten kein allzu großes Problem. (gw)


Datum: 30.07.2013

 

 
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