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Yassaman Montazami: Der schönste Tag

Das Leben des Vaters in der Revolution

Noch während der Shah-Zeit emigrierte die Familie von Yassaman Montazami von Iran nach Frankreich; als Jahre später die Ehe der Eltern zerbricht kehrt ihr Vater Behruz nach Teheran zurück. Sein unkonventionelles Leben im steten inneren Kampf mit den herrschenden politischen Verhältnissen verarbeitete die Autorin in ihrem Debütroman „Der schönste Tag“, für den sie prompt mit dem Prix d'ambule ausgezeichnet wurde. Nun liegt das Werk auch auf Deutsch vor (erschienen im Sujet Verlag Bremen, aus dem Französischen von Jutta Himmelreich).

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„Als ich am Tag vor seiner Ankunft auf der Couch meines Psychoanalytikers lag, entfuhr mir ein merkwürdiger Satz, der auch mich erstaunte, weil er gar nicht aus meinem Munde gekommen schien: 'Bald stirbt jemand.'“ Wenige Tage später tut ihr Vater im Alter von 87 Jahren seine letzten Atemzüge. Zum Sterben ist er nach Paris zurückgekehrt, zu seiner Tochter und seiner Exfrau, zurück in die Stadt, in der er jahrzehntelang an seiner Dissertation über Marx und die Weltrevolution gearbeitet hatte. Das Werk wurde nie fertig, und auch die Ehe scheiterte, er kehrte nach Iran zurück und begann dort eine neue Beziehung und fühlte sich schlecht gegenüber all jenen, die geblieben waren, die im Kampf erst gegen das Shah-Regime und später gegen die Mullahs verhaftet und gefoltert wurden, während er selbst im sicheren Westen saß, wo er, durch großzügige Zuwendungen seiner Eltern, in den Tag hinein leben konnte.

Die Pariser Wohnung wurde zum sicheren Hafen für Flüchtlinge, vom linken Regimegegner bis hin zum Teheraner Geldadel, der von Chomeini aufgrund der Nähe zum früheren Königshof enteignet und verfolgt wurde. Behruz hatte sich nie dem Revolutionsjubel angeschlossen, die Pilgerreisen zahlloser Iraner zum nahe Paris residierenden Chomeini betrachtete er mit Argwohn, warnte vor dem Machtmenschen, der das Land bloß in die nächste Katastrophe führen würde. Und er behielt Recht.

Es ist eine Lebensgeschichte vom Scheitern, vom Selbstzweifel und vom Widerstand gegen die herrschenden Verhältnisse aus Überzeugung – eigentlich heftiger Stoff, doch Yassaman Montazamis große Stärke ist ihre lockere und eingängige Sprache und ihr humorvoller Blick auf das Leben und seine Widrigkeiten, was „Der schönste Tag“ zu einer höchst angenehmen und kurzweiligen Lektüre macht. Es sind gerade die kleinen Malaisen und Schrulligkeiten, die ihren Vater so sympathisch machen und die die Erzählung aus dem großen Rahmen politischer Umwälzungen immer wieder auf den Boden der Tatsachen und ins wahre Leben zurückholen.

Gerrit Wustmann


Datum: 23.10.2013

 

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