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Stephen King: Doctor Sleep

Zurück zum Shining

Fast vierzig Jahre ist es her, dass der damals noch junge, drogen- und alkoholabhängige Stephen King mit „Shining“ einen Meilenstein der modernen Horrorliteratur schrieb. Nun kehrt er mit seinem Roman „Doctor Sleep“ zurück zu Danny Torrance, der damals den Geistern des Overlook Hotels und seinem wahnsinnigen Vater entkam. Die Geister und seine besondere Gabe lassen ihn nicht los, und er versinkt selbst im Sumpf des Alkoholismus. Dass das Buch starke autobiografische Züge trägt, ist nicht zu übersehen. Dennoch kann der Versuch, einen Klassiker fortzusetzen, am Ende nur enttäuschen.

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Das Overlook Hotel ist bis auf die Grundmauern niedergebrannt, wo es einst stand befindet sich heute ein Campingplatz. Danny Torrance ist Ende dreißig, seine Mutter Wendy ist inzwischen auch gestorben, ebenso wie der gute Geist des Hauses, Dick Hallorann, dem Danny verdankte, mit dem Shining, einer Art Hellsichtgkeit, überhaupt umgehen zu können. Wie schon sein Vater Jack und sein Schöpfer King versinkt Danny im Alkoholismus und führt ein unstetes Leben am Rande der Gesellschaft. Bis er sich eines Tages zu einem Neuanfang aufrafft. Er besucht Treffen der Anonymen Alkoholiker und nutzt seine Gabe, um in einem Hospitz den Menschen den Übergang vom Leben zum Tod zu erleichtern. Sein Spitzname dort ist „Doctor Sleep“.

Das ist die eine Seite der Geschichte. Die andere kommt in Form des Mädchens Abra daher, die ebenfalls über das Shining verfügt und telepathisch Kontakt zu ihm aufnimmt, denn sie schwebt in großer Gefahr. Eine Sekte, die sich der Wahre Knoten nennt, macht Jagd auf Shining-Kinder, denn sie braucht deren Seelen, um sich zu ernähren. Man könnte sie als eine verkorkste Vampir-Truppe bezeichnen, die in Wohnmobilen durch Land zieht, immer auf der Suche nach neuen Opfern. Klar, dass Danny nicht zögert, Abra zu helfen...

Ist „Doctor Sleep“ eine Fortsetzung von „Shining“? Ja und nein. Es ist erstmal ein Roman, der für sich steht, und den man auch problemlos lesen kann, ohne das Original zu kennen, das vor allem in Dannys Erinnerungen immer mal wieder angetippt wird. Es ist ein Roman über Sucht, Krankheit und Tod einerseits und ein rasantes Vampir-Roadmovie andererseits. Aber es kann unmöglich das reproduzieren, was „Shining“ so groß machte: Die beklemmende Schaueratmosphäre in der Abgeschiedenheit der Rocky Mountains, in der ein verlassenes Hotel die eigentliche Hauptrolle spielt; das Schrittweise Abdriften des Protagonisten in den Wahnsinn und das Grauen, das hinter jeder Ecke lauert.

Hinzu kommt: Obwohl es ein gutes, ein lesenswertes Buch ist, ist es doch längst nicht so stark wie Kings letzte Arbeiten, in denen er mitunter ganz neue Töne anschlug und zu einem voll und ganz überzeugenden Alterswerk ansetzte („Die Arena“, „Joyland“, „Der Anschlag“). Zu konstruiert und geradlinig wirkt die Handlung bisweilen, zu abgedreht die Story um die Shining-Vampire, die weit weniger gruselig sind als alles, was im Overlook umherspukte. Im direkten Vergleich zu „Shining“ kann „Doctor Sleep“ nur enttäuschen, man sollte die Erwartungen also niedrig halten. (gw)


Datum: 31.10.2013

 

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