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5 Jahre Leben (DVD & Blu-Ray)

Murat Kurnaz Guantanamo-Erfahrungen

Der bewegende Film „5 Jahre Leben“ schildert die ersten Monate, die der in Bremen geborene Deutsch-Türke Murat Kurnaz in den Folterkammern der Amerikaner verbrachte, und konzentriert sich dabei vor allem auf die perfiden Verhöre durch den Spezialisten Gail Holford.

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Der Fall Murat Kurnaz ging groß durch die Presse als der eigentliche Skandal längst vorbei war. Kurnaz war in dem für menschenunwürdige Bedingungen bekannten Gefängnis auf Guantanamo festgehalten worden, bevor er 2006 durch das jahrelange Engagement seiner Anwälte freikam. 2007 schrieb Kurnaz ein Buch über die Erlebnisse. Es heißt „Fünf Jahre meines Lebens“ und wurde von Stefan Schaller als Abschlussarbeit an der Filmakademie des Landes Baden Württemberg überaus eindringlich auf die Leinwand gebracht.

Schon die ersten Momente in diesem nicht auf Effekthascherei zielenden und dennoch packend inszenierten Film schockieren. Die Insassen werden in engen Käfigen gehalten und sind den Grausamkeiten ihrer Bewacher schutzlos ausgeliefert. Die Atmosphäre, die Stefan Schaller dabei von der ersten Sekunde an schafft, ist so beklemmend, dass man als Zuschauer selbst bei jedem Knall, den eine zuschlagende Tür verursacht, zusammenzuckt. Einer der Männer, die dort wie Vieh gehalten werden, ist Murat Kurnaz, der nach Pakistan gereist war, um eine Koranschule zu besuchen, dort verhaftet und an die Amerikaner verkauft wurde und schließlich wegen dem Verdacht, ein Terrorist zu sein, in einen der Käfige auf Guantanamo gesteckt wurde. Extra wegen ihm wird der Verhörspezialist Gail Holford (Ben Miles, „Speed Racer“) eingeflogen, der Kurnaz die Wahrheit entlocken soll. Holford bekommt auf diese Weise die Lebensgeschichte des Gefangenen zu hören. Kurnaz verdiente sein Geld in einer türkischen Diskothek, doch nachdem sein Freund und Kollege Octay bei der Arbeit erschossen wurde, suchte er einen neuen Sinn im Leben und begann damit, sich mit dem islamischen Glauben zu beschäftigen. Mit Terrorismus hat das alles wenig zu tun, und dass der Mann, der sich aus lauter Einsamkeit im Gefängnis mit einer Eidechse anfreundet, unschuldig ist, wird auch dem Spezialisten bald klar. Den BND, der davon in Kenntnis gesetzt wird, interessiert das aber herzlich wenig. Man will Kurnaz nicht zurück nach Deutschland holen und so versucht Holford weiterhin, ein Geständnis zu entlocken. Und sei es nur, um die Folter zu rechtfertigen.

Die körperliche Qual, etwa Isolationshaft, Aufhängen an den Armen, Schlafentzug oder Prügel, wird in den meisten Szenen nur angedeutet, was der Eindringlichkeit keinen Abbruch tut, denn die psychische Folter aber, die noch viel arglistigere Kniffe bereit hält, jagt dem Zuschauer bereits kalte Schauer über den Rücken. Sascha Alexander Gersak („Im Angesicht des Verbrechens“) spielt dabei in jeder Szene unaufdringlich und überzeugend. Sein Kurnaz brennt sich als Mensch ein, der am Anfang vielleicht ein wenig naiv, aber nie dumm wirkt und mit einem unbändigen Willen, sich nicht brechen zu lassen, ausgestattet ist, und führt ebenso wie die großartige Regie dazu, dass der Film noch lange nachwirkt. Was bleibt, ist am Ende vor allem die Wut darüber, dass Guantanamo immer noch existiert, und dass es die deutschen Behörden gleichgültig zugelassen haben, dass Kurnaz viel zu lange gefangen gehalten und gefoltert wurde.

Katja Kutsch


Datum: 17.11.2013

 

 
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