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Zaytoun

Ziemlich ungeliebte Freunde

Das berührendste Porträt einer stolzen Palästinenserin stammt von einem Israeli: In „Lemon Tree“ (2008) setzte Eran Riklis der Besitzerin eines Zitronenhains ein filmisches Denkmal. Auch in seinem neuen Film spielen der palästinensische Protagonist und eine Pflanze – diesmal ein Olivenbaum – zentrale Rollen. Doch damit enden die Parallelen. Mit seiner plakativen Erzählweise trägt „Zaytoun“ die humane Botschaft viel demonstrativer vor sich her, als die stille, hintergründige Parabel von „Lemon Tree“ (Kinostart: 14. November).

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Fahed (Abdallah El Akal) ist ein lebhafter, ziemlich aufgeweckter Palästinenser-Junge, der mit seinem Vater und Großvater in einem Flüchtlingscamp in Beirut lebt. Man schreibt das Jahr 1982. Die Lage in der zerbombtem Stadt ist chaotisch, jeder scheint gegen jeden zu kämpfen. Aber ein Konflikt überlagert alle anderen: Nachdem die PLO Raketen auf Israel abgefeuert hat, startet die israelische Armee ihren Libanonfeldzug. Als der israelische Pilot Yoni (Stephen Dorff) abgeschossen wird, dürfen Fahed und die anderen jungen PLO-Kämpfer auf den Gefangenen aufpassen. Anfangs lässt Fahed den Feind seinen ganzen Hass spüren und schießt ihm sogar in den Oberschenkel. Aber als ihm Yoni verspricht, ihn über die Grenze zu bringen, gerät der Zwölfjährige ins Grübeln. Schließlich liegt im heutigen Israel das Haus, in dem die Palästinenserfamilie einmal lebte. In einer abenteuerlichen Flucht machen sich die ungleichen Partner auf den Weg.

Es muss schon einiges an Zufällen zusammenkommen, um die anfangs ungeliebte Zweckgemeinschaft wenigstens einigermaßen glaubhaft zu machen. So weigert sich der Junge, dem an Kraft und Erfahrung überlegenen Erwachsenen die Handschellen abzunehmen. Außerdem ist Yoni durch die Schussverletzung geschwächt. Trotzdem braucht es eine wahre Pechsträhne – aus Sicht von Yoni –, bis der Ältere einsieht, dass er den Jungen nicht einfach reinlegen kann. Das alles dient offensichtlich dem Bemühen von Drehbuchautor Nader Rizq, aus Feinden Freunde zu machen. Und da es sich um eine (Ersatz)Vater-Sohn-Konstellation handelt, hat das Roadmovie alle Mühe, den ausgetretenen Pfaden der Rührseligkeit zu entgehen.

Erst als die beiden die Stadt verlassen haben, tun sich in der weiten Hügellandschaft sanftere Erzählperspektiven auf. In der Natur auf sich allein gestellt, erlebt das Gespann ein paar Abenteuer, die auch mal witzig sein dürfen und auf glaubhaftere Weise dazu geeignet sind, Menschen einander näher zu bringen. Außerdem dient die dezent fotografierte Landschaft als vergleichsweise wenig aufdringliche Metapher für die Utopie eines grenzüberschreitenden, friedlichen Zusammenlebens.

Dennoch hat Eran Riklis in seinen früheren Filmen die Botschaft von den lebensfeindlichen politischen Konstellationen viel subtiler in die persönlichen Schicksale der Protagonisten einfließen lassen. Besonders das kleine Olivenbäumchen, das dem Film den Titel leiht (Zaytoun ist das arabische Wort für Olive) und das der Junge auf der Reise mitschleppt, wird viel zu symbolträchtig ins Bild gerückt.

Was bleibt, ist die herausragende Leistung von Abdallah El Akal in der Rolle des Fahed. Der inzwischen 15-jährige Nachwuchsstar hat schon mit acht Jahren vor der Kamera gestanden und begegnet seinem Hollywood-Partner Stephen Dorff („Public Enemies“) auf Augenhöhe. Er legt die Figur des Fahed als pfiffigen, gewitzten Jungen an, der seinen kindlichen Charme trotz des Zwangs zum vorzeitigen Erwachsenwerden nicht verloren hat. Wenn es einen Gegenpol zur lediglich gut gemeinten Botschaft des Films gibt, dann ist es die frische, unverbrauchte Präsenz dieses Jungen.

Peter Gutting


Datum: 17.11.2013

 

 
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