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Die Erfindung der Liebe

Jetzt erst recht

Wer hat die Liebe erfunden? Diese Frage könnte peinlich werden für einen jungen Mann, der eine sterbenskranke Millionärin nur deswegen heiraten will, um nach deren Tod ein sorgenfreies Leben mit seiner jungen Freundin zu genießen. Auf der Basis dieses Plots wollte Lola Randl eigentlich das Drama einer ungewöhnlichen Dreiecksgeschichte drehen. Doch mitten während der Dreharbeiten starb die Hauptdarstellerin. Aus der Not heraus machte die Regisseurin einen Film im Film – und zwar einen, der das ursprüngliche Projekt vermutlich übertrifft. Der Kinostart der elegant verschachtelten Hommage an das Filmemachen ist für das Frühjahr 2014 geplant.

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„Die Erfindung der Liebe“ geht auf eine der ungewöhnlichsten Produktionsgeschichten im deutschen Kino zurück. Die ersten Dreharbeiten begannen im Sommer 2011. Hauptdarstellerin war Maria Kwiatkowsky. Die damals 26jährige galt als Nachwuchstalent der Berliner Volksbühne und hatte schon 2004 für ihre Rolle in dem Kinofilm „En garde“ einen Leoparden beim Filmfestival Locarno gewonnen. 23 Tage waren abgedreht – dann fand man Maria Kwiatkowsky tot in ihrer Berliner Wohnung. Über die Umstände ihres Todes machten weder Theater noch Familie öffentliche Angaben.

Was wird aus einem Film, von dem wichtige Szenen noch nicht gedreht sind, so zum Beispiel die Liebesszenen des jungen Paares, das die todgeweihte Millionärin Amine von Kirsch (Sunnyi Melles) um ihr Geld bringen will? Eine Ersatzschauspielerin finden und die physiognomischen Unterschiede mit moderner Computertechnik überspielen? Die Geschichte so umschreiben, dass sie zu dem bereits gedrehten Material passt? Oder das Fragment Fragment sein lassen und das bereits ausgegebene Geld in den Wind schreiben? Lola Randl und ihre Produktionsfirma Coin Film taten nichts von alledem. Stattdessen machten sie die Krise und die Suche nach einer Lösung selbst zum Thema. „Die Erfindung der Liebe“ ist also ein Film über die Fertigstellung eines Films, der durch einen schwierigen Nachdreh gerettet werden muss. Und zwar kein todtrauriger, wie man angesichts der realen Situation vermuten könnte. Sondern einer, der humorvoll von einem erstaunlichen „Jetzt erst recht“ erzählt.

Man kann sich natürlich fragen, wie viele Metaebenen hier bemüht werden. Aber das Unterfangen wäre müßig. Denn das nun fertiggestellte Werk funktioniert trotz seiner Komplexität ganz intuitiv. Es erzählt etwas über den ursprünglich angedachten Film - ein bildstarkes Melodram mit Anleihen bei Rainer Werner Fassbinder, an den auch Irm Herrmann als Darstellerin von Amines Mutter erinnert. Von dieser fiktiven Ebenen grenzen sich die beruflichen und privaten Geplänkel der Crew zunächst klar in ihrer Bildsprache ab. Und dennoch macht sich „Die Erfindung der Liebe“ wie die meisten Film-im-Film-Konzepte ein Vergnügen daraus, die beiden Ebenen zunehmend zu vermischen.

Dabei nimmt der Film den Zuschauer mit auf die Reise, macht den Drehbuchautoren (Sebastian Weber) und die Regisseurin (Mira Parteke) zu Identifikationsfiguren. In der Haut des Autors möchte man zu Beginn wahrhaftig nicht stecken. Auf ihn wird die ganze Verantwortung abgeschoben. Und natürlich fällt ihm nichts ein außer Kitsch, Klischees und nochmals Kitsch. Aber letztendlich erweist sich die Crew trotz all der Eitelkeiten, Eifersüchteleien und Liebesverwirrungen als solidarischer Chaos-Club. So erzählt der Film auch von einer Liebe, von der man ebenfalls nicht weiß, wer sie erfunden. Von der Liebe zum Kino nämlich. Und zu einer hoffnungsvollen Schauspielerin, deren Arbeit auf diese Weise doch noch zu sehen ist.

Peter Gutting


Datum: 21.11.2013

 

 
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