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Diskussion zu "Babel"

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  #1  
Alt 02.01.2007, 16:36
text driver text driver ist offline
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Standard Diskussion zu "Babel"

zum ursprüngliechen Artikel: Babel

Ein Schuss löst eine weltumspannende Kettenreaktion aus. Zwei Hirtenjungen wollen die Reichweite eines Gewehrs testen und zielen achtlos auf einen entfernten Luxus-Reisebus, der durch die marokkanischen Berge fährt. Getroffen wird zufällig eine amerikanische Touristin. Ihre lebensgefährliche Verletzung steht nur am Anfang dramatischer Ereignisse, von denen unterschiedliche Menschen auf drei Kontinenten betroffen sind. Der Regisseur Alejandro Gonzáles Iñárritu (\Amores Perros\ \21 Gramm\) erweist sich bei seinem prominent besetzten Ensembledrama \Babel\ zum dritten Mal als Meister des episodischen und nicht-linearen Erzählens.



Meinung:
Eins vorweg: So gut wie "Amores perros" ist "Babel" nicht. Aber auch nicht so enervierend wie "21 Gramm".

Das Gute: Die Szenen in Marokko. Unfassbar, unter was für Bedingungen Menschen hier leben. Das zeigt Inarritu sehr deutlich und berührend. Überhaupt ist die Marokko-Episode mit Brad Pitt meiner Ansicht nach eindeutig die stärkste des Films, gefolgt von der Tokio-Geschichte.

Leider zieht sich der Film nach zwei Stunden doch sehr in die Länge. Weniger wäre in diesem Fall deutlich mehr gewesen. Auch das Babel-Motto mit dem Thema der Kommunikationsunfähigkeit wirkt im Ganzen gesehen an den Haaren herbei gezogen. Es geht kaum je um eine grundsätzliche Schwierigkeit, sich zu verständigen, sondern meist um deutlich profanere Sprachbarrieren, die keinerlei philosophischer Problematisierung bedürfen.
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  #2  
Alt 12.01.2007, 15:39
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Zitat:
Zitat von text driver Beitrag anzeigen
Meinung:
[/b]Eins vorweg: So gut wie "Amores perros" ist "Babel" nicht. Aber auch nicht so enervierend wie "21 Gramm".

Das Gute: Die Szenen in Marokko. Unfassbar, unter was für Bedingungen Menschen hier leben. Das zeigt Inarritu sehr deutlich und berührend. Überhaupt ist die Marokko-Episode mit Brad Pitt meiner Ansicht nach eindeutig die stärkste des Films, gefolgt von der Tokio-Geschichte.

Leider zieht sich der Film nach zwei Stunden doch sehr in die Länge. Weniger wäre in diesem Fall deutlich mehr gewesen. Auch das Babel-Motto mit dem Thema der Kommunikationsunfähigkeit wirkt im Ganzen gesehen an den Haaren herbei gezogen. Es geht kaum je um eine grundsätzliche Schwierigkeit, sich zu verständigen, sondern meist um deutlich profanere Sprachbarrieren, die keinerlei philosophischer Problematisierung bedürfen.
Ordentlicher Film, gegen Ende wurde es mir ein wenig zu weinerlich, aber dafür scheint Iñárritu ja sowieso ein Faible zu haben. Was die Unfähigkeit zur Kommunikation angeht, gebe ich dir Recht, daraus hätte man weit mehr machen können. Zumal am Ende der einzelnen Episoden ja nicht nur Kommunikation, sondern sogar Verständigung stattfindet - wenn auch nur auf körperlicher Ebene. In Mexiko umarmt der Sohn die Mutter, in Marokko der Mann seine Frau, in Japan der Vater die Tochter. Ich frage mich warum diesem Aspekt in all den Rezensionen so wenig Beachtung geschenkt wurde. Die Botschaft des Films ist meiner Meinung nach eben nicht allein gestörte Kommunikation, sondern - und damit geht Iñárritu noch einen Schritt weiter - die Möglichkeit, das Problem zu überwinden. Der körperliche Kontakt gibt doch auch einen Ausblick auf eine verbesserte Verbalkommunikation...
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  #3  
Alt 12.01.2007, 20:32
text driver text driver ist offline
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Stimmt, du hast recht, am Ende ist doch alles wieder gut. Also ist Babel-Symbol gleich doppelt unangebracht. Einfach nur aufgesetzter Bedeutungskitsch. Gute Bilder hat der Film, aber die Handlungsstränge haben nichts miteinander zu tun. Es ist reiner Zufall, der nichts aussagt. Marokko ist nicht Tokio ist nicht Los Angeles ist nicht Mexiko. Überall gibt es andere Probleme, überall denken die Menschen anders. Wären es drei separate Geschichten, könnte man vielleicht noch über Gemeinsamkeiten nachdenken, aber einer solchen erzwungenen Verbindung will ich nicht folgen.
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  #4  
Alt 21.01.2007, 17:02
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Boah war das langweilig... Zum zehntasuendmal musste dieses völlig triviale Butterfly-Effect Thema in ein globales Episodendrama mit Stars die sich mal von abgenutzterer Seite zeigen gepackt und schon hat man den GoldenGlobe und vll auch noch den Oscar.

Erstmal die guten Sachen vorweg(wie sich das für nen ordentlichen verris gehört): Die Musik und die Aufnahmen geben wirklich eine krasse Intensität der Schicksale der einzelnen Personen wieder und die dazugehörigen Darsteller machen ihren Job durchweg gut.

aber... das angesprochene Kommunikationsthema wird zwar recht gut übertragen, aber erscheinen mir die Episoden viel zu oberflächlich und konstruiert. Es werden einfach nur drei Geschichten erzählt, dessen Akteure sich zufällig kennen (auch wenn es hinisichtlich des Gewehrs ne billige Verbindung gibt) und das könnte letztendlich jeder.
Der Plot um Herrn Pitt und Frau Blanchett hätte wunderbar in nen 100Minüter gepackt werden können und auch die Japan-Geschichte hat ihren Wert, hätte aber als eigenständiger Film auch besser werden können.

LRKS: Babel will hier großes Episodenkino abliefern, versagt aber, weil alles zu oberflächloch angegangen wird. Episodenkino um des Episodenkinos Willens sozusagen. Schade, denn als einzelne Filme ohne diese Möchtegern Butterfly-Effect Nummer wären die teilweise guten intensiven auusagekräftigen Bilder gerechtfertigter geworden.
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  #5  
Alt 21.01.2007, 20:16
kirchheimrunner
 
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Standard Ursache und Wirkung

Heute habe ichl den Film gesehen. Ich bin mir noch nicht schlüssig über meine Meinung; - ich schwanke noch.

Es ist natürlich ein Film über Kommunikationsprobleme. Und letztlich nicht nur unter den Protagonisten, sondern auch zwischen Film und Betrachter.

Was ist passiert?
Ein Schuss eines Marokkanischen Jungen aus einem Gewehr trifft - zufällig - eine amerikanische Touristin.
Aber war es wirklich so??

Die Amerikanerin saß im Bus links; der Schuss kam von links durchs Fenster. Jussuf aber ballerte frontal auf den Bus!!!

Mehrere Schüsse fielen. Jussuf und sein Bruder haben 4 Schüsse abgegeben; wieviele aber haben wir gehört? Gab es vielleicht doch einen Anschlag???

In Japan, Tokyo Shin-Shuku ... ich kenne diese Gegend persönlich sehr gut. Der Vater und seine Tochter! Was ist passiert?

Warum war die taubstumme Tochter so traumatisiert. Wie starb die Mutter? 2 Schüsse in den Kopf? Wirklich? Könnte es nicht so gewesen sein, dass der Vater die Mutter doch tötete... oder die Tochter die Mutter? In ihrem Trauma legt sich die Tochter eine andere Wirklichkeit zurecht. Im Übrigen: Kein japanischer Vater nimmt seine nackte Tochter auf dem Balkon an die Hand... es sei denn...

Babel heist Wirrnis! Es geht um die Vermessenheit der Menschen. Die Wahrheit ist von uns gepachtet!! Die Wahrheit, die uns präsentiert wurde ist die "gefällige" ... alle Protagonisten sind damit zufrieden; sie passt ins Schema:

Der Amerikaner und die Amerikanerin sind froh, dass alles gut ging.
Die amerikanische Regierung ist froh, dass es keinen Terroranschlag gab.
Jussuf fühlt sich objektiv schuldig.

Der Marokkanische Kommissar hat einen Fall gelöst,
der Japanische Vater und seine Tochter können weiter über den Tod der Mutter schweigen und sich eine eigene Wiklichkeit darüber aufbauen.

Nur: der junge japanische Kommissar weiß was geschah: Es steht im Brief, den ihm das Mädchen übergab.

Auch das Filmpublikum gibt sich mit der Wahrheit zufrieden!

Die Wahrheit ist vielfälltig; welche wählen wir uns?

Was war wirklich Ursache? Was war wirklich Wirkung?

Ich bin noch total unschlüssig; vielleicht ist das was ich geschrieben habe auch Unsinn?
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  #6  
Alt 21.01.2007, 21:07
text driver text driver ist offline
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Über den Schuss habe ich auch nachgedacht, er scheint wirklich nicht zu passen. Aber vielleicht es nur eines dieser berühmten Filmfehler. Andererseits: Was du schreibst, ist super-interessant. Nur - kann es sein, dass ein solch hoher Anspruch, der, wenn es Absicht wäre, wirklich eine originelle, kluge Interpretion des Babel-Motivs wäre, - kann es sein, dass so etwas nicht deutlich herauskommt? Wenn es wirklich Inarritus Absicht gewesen wäre, die Zuschauer aufs Glatteis zu führen, hätte er das deutlicher machen müssen. Mögliche Schockeffekte: Andeutung eines Terroranschlags entgegen der offiziellen Lösung des Falls, was steht in dem Zettel, den das Mädchen, dem Kommissar gibt? Wenn es dazu Andeutungen gegeben hätte am Ende, so als Schockerkenntnis - das wäre was. Aber so - ich weiß nicht, ob Inarritu wirklich gemeint hat, was du schreibst...
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  #7  
Alt 21.01.2007, 21:59
kirchheimrunner
 
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Zitat:
Zitat von text driver Beitrag anzeigen
Über den Schuss habe ich auch nachgedacht, er scheint wirklich nicht zu passen. Aber vielleicht es nur eines dieser berühmten Filmfehler. Andererseits: Was du schreibst, ist super-interessant. Nur - kann es sein, dass ein solch hoher Anspruch, der, wenn es Absicht wäre, wirklich eine originelle, kluge Interpretion des Babel-Motivs wäre, - kann es sein, dass so etwas nicht deutlich herauskommt? Wenn es wirklich Inarritus Absicht gewesen wäre, die Zuschauer aufs Glatteis zu führen, hätte er das deutlicher machen müssen. Mögliche Schockeffekte: Andeutung eines Terroranschlags entgegen der offiziellen Lösung des Falls, was steht in dem Zettel, den das Mädchen, dem Kommissar gibt? Wenn es dazu Andeutungen gegeben hätte am Ende, so als Schockerkenntnis - das wäre was. Aber so - ich weiß nicht, ob Inarritu wirklich gemeint hat, was du schreibst...
Right Mr. Moderator. Wer weiß was Inarritus wirklich wollte? Ich weite meine Paradoxien aus:
Inarritus hat selber ein Kommunikationsproblem: Nämlich mit dem Drehbuch und sich selbst! Ist er sich selbst auf den Leim gegangen?

Nein! Spass beiseite. Ich erinnere mich gerne an Kurosawas Film RASHOMOON. Mehrere Wahrheiten können nebeneinander bestehen. Und dann der Schock: Vielleicht gibt es "gar keine Wahrheit"!

Das ist allerdings reine Philosophie und hat mit Film-Kritik nichts mehr zu tun..

L.G. Hans
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  #8  
Alt 24.01.2007, 14:37
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Zitat:
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LRKS: Babel will hier großes Episodenkino abliefern, versagt aber, weil alles zu oberflächloch angegangen wird. Episodenkino um des Episodenkinos Willens sozusagen. Schade, denn als einzelne Filme ohne diese Möchtegern Butterfly-Effect Nummer wären die teilweise guten intensiven auusagekräftigen Bilder gerechtfertigter geworden.
In einem Interview mit der Berliner Morgenpost meinte Iñárritu: "Ich wollte zeigen, dass eine einzelne Handlung auf der anderen Seite der Welt eine Reaktion erzeugen kann, ohne dass die Menschen das realisieren. Wir leben in einer enger werdenden Welt." Wenn das wirklich sein Anspruch war, dann ist er aber mächtig baden gegangen. Die Verknüpfung mit der Tokio-Episode war einfach nicht nachhaltig genug...
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  #9  
Alt 30.01.2007, 10:00
Robobob
 
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Ich finde, man kann das auch anders sehen. Wer sagt denn, dass ein starker innerer Zusammenhang zwischen den Geschichten bestehen muss? Es ist ja auch legitim in einem Episodenfilm verschiedene Szenen zu zeigen, die über die Handlung gar nicht in Verbindung stehen.
Hier zeigt der Filmemacher: wenn Du irgendwo auf der Welt einen Faden in die Hand nimmst, sei er auch noch so nebensächlich, dann kannst Du daran entlang zu gänzlich anderen Menschen kommen, die in einer anderen Kultur leben und dennoch ähnliche und ähnlich schwerwiegende Probleme haben, wie dort, wo Du angefangen hast. Wäre das Ziel ein Film über den Butterlfly Effect, dann wären die Verbindungen zu banal, stimmt. Aber wer sagt denn, dass dies das Ziel war? O.g. Zitat verstehe ich eher dahingehend, dass trotz zunehmender Globalisierung die Welt viel zu groß ist, als dass man voneinander hört oder mitbekommen kann, was all den anderen Menschen wiederfährt, die am Ende der vielen Fäden sitzen, welche von einem Punkt ausgehen.
Das enger werden der Welt wurde besonders eindrücklich dadurch deutlich, dass die Nachrichten über das "Attentat" viel schneller die Welt umrundeten, als ein einfacher Krankenwagen benötigte, um zu dessen Opfern zu gelangen.
Die Metapher "Kommunikationsprobleme" zu "taubstummes Mädchen" fand ich auch recht platt. Die Laienschauspieler waren beeindruckend. Die Schnitttechnik ebenso.
Dass das mit dem Schuß auf dem Bus eventuell kein Regiefehler gewesen sein könnte, ist ein interessanter Gedanke. Mich hat das schon sehr verwundert. Aber ich denke auch, dass dann ein wenig mehr Andeutungen hätten gemacht werden müssen und man müsste eine ziemliche Verschwörungstheorie stricken, wie es sonst gewesen sein könnte.
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  #10  
Alt 20.03.2007, 16:23
hanshatdenschuh
 
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Ich bin generell kein großer fan von Iñárritus filmen. Sie sind zwar immer gut, doch mehr - wie ich finde - auch nicht. außerdem habe ich fast immer das gefühl, das selbe zu sehen, egal welchen film ich schaue ^^

bei babel war eig vieles gelungen: größtenteils gute schauspieler, außer pitts eher durchschnittlicher leistung; schöne musik; eindrucksvolle bilder; klug eingesetzte effekte...

aber die story hat auf mich ziemlich konfus gewirkt. der film wirft verschiedene thematiken durcheinander und scheint zu allem etwas zu sagen zu haben: einsamkeit in der großstadt, probleme in der familie, schicksal, kommunikationsschwierigkeiten.
und ich hatte nie das gefühl, das der film einen bestimmten themenschwerpunkt hatte. teilweise hatte ich sogar das gefühl, das die episoden nichts miteinander zu tun hatten. Was hat die tokyo handlung denn thematisch mit der wüstenhandlung verbunden...
die tokyo handlung fande ich außerdem sehr klischeehaft und altbacken. Immer wieder die selben gedanken, viele fenster werden gezeigt als ausdruck der vereinsamung, einzelne person sucht nach liebe innerhalb dieser einsamkeit, sehnt sich danach und ihre taubstummheit trieft nur so von symbolik...

babel ist gut... aber mehr halt nicht...

Geändert von hanshatdenschuh (20.03.2007 um 21:09 Uhr).
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