The Devil's Rejects
Horror-Splatter-Fortsetzung von Rob Zombies "Haus der 1000 Leichen".
V:Tiberius, USA 2005, R: Rob Zombie, D: Bill Moseley, Sid Haig, Sheri Moon Zombie u.a.
Erst schießen, dann fragen
(tsch) Da wir hier von einem Horrorfilm sprechen, den ein Musiker und Amateur-Regisseur gedreht hat, muss man "The Devil's Rejects", der Fortsetzung von Rob Zombies "Haus der 1000 Leichen", ein handwerkliches Kompliment machen. Alles andere ist Geschmackssache und eine Frage der eigenen Hysteriegrenze.
Rob Zombie ist Musiker, Metaller, und von daher vielleicht prädestiniert für ein Splatter-Movie, in dem er als zerzauster Freak im Grunde auch selbst mitspielen könnte. Doch der leidenschaftliche Horror-Fan hat genug zu tun, sein Drehbuch umzusetzen und sich mit dem für ihn immer noch neuen Medium Kino anzufreunden. Dabei orientiert sich der ehemalige White-Zombie-Frontmann an Jonas Akerlunds "Spun", der vor zwei Jahren eine neue dreckige Optik im Langfilm salonfähig machte.
Auch "The Devil's Rejects" beweist so etwas wie Authentizität. Details wie die schlechte Beschaffenheit der Zähne steigern den Ekelfaktor, während die punktgenaue Kameraarbeit das ästhetische Empfinden befriedigt. Ein perfider Gegensatz, wenn man so will. Doch wozu in ein Horror-Trash-Vergnügen all zu viel hineininterpretieren?
Schon bei "Haus der 1000 Leichen", der Zombie im Genre einen Achtungserfolg bescherte, ging es um möglichst erschreckende Wunden, schnelle Schockeffekte und den grausamen Siegeszug der Familie Firefly. An deren Ranch beginnt die im Grunde vollkommen eigenständige Fortsetzung.
Sheriff John Quincey Wydell (William Forsythe) führt eine Kolonie von Polizisten und Scharfschützen an, die das Haus der mörderischen Brut zwar durchlöchert, aber in der ersten Szene keinen weiteren Schaden anrichtet, abgesehen von deren Teilung. So wird Mutter Firefly (Leslie Easterbrook, erbärmlich und unberechenbar) ins Gefängnis gesteckt, während Otis (Bill Moseley) und seine Schwester Baby (Sheri Moon Zombie) durch einen unterirdischen Tunnel entkommen.
Wer möchte, kann schon jetzt unlogische Abfolgen und Vorgehensweisen bemängeln, wird sich damit jedoch den Spaß an der Sache verderben. Für Leute mit friedhofsschwarzem Humor sind sie gemacht, die Bremsspuren in der Hose, die Schlachterszenen, die fies lachende Grausamkeit, verkörpert von Sid Haig, dem Clown, den kein Kind je zu Gesicht bekommen sollte.
Zusammen mit seinen Kindern Otis und Baby zieht er wieder eine blutige Spur hinter sich her, keineswegs verunsichert von der Tatsache, dass die Mama in der Gefängniszelle gerade zu Tode gequält wird.
Hervorragende Licht- und Soundeffekte erinnern in Wucht und Geschwindigkeit an "Spun", wenngleich Zombie dieses hohe Niveau nicht durchhält. Dafür präsentieren die Fireflys andere Highlights, zu denen seine Gattin Sheri Moon zählen dürfte. Was diese Frau an Sexappeal auf die Leinwand bringt, gehört - in Werbelettern gesprochen - hinter Gitter. All die Grausamkeiten, die sie und ihr Bruder austeilen, erhalten einen erotischen Unterton, der eigentlich verboten werden müsste. Aber Horrorvater Rob zögert nicht, seine brutalen Protagonisten mit ein wenig Stardom auszustatten. Ihre pseudophilosophischen Auswürfe und ihre Unaufgeregtheit machen sie zu Mördern, die - ohne es groß zu bemerken - Leben auslöschen.
Dabei gönnt sich der Regisseur den ein oder anderen nicht gerade billigen Überraschungseffekt und spart im Gegenzug auch nicht mit dem nahe liegendsten Kalauer. Es ist eine Gratwanderung, auch in der Beurteilung. Wie weit darf so ein Film gehen, dass man ihn noch gut finden darf, ohne Gewalt zu verherrlichen? "The Devil's Rejects" enthält genug Kunstgriffe und Phantasmen, dass er sich als überdrehte Splatter-Kunst einordnen lässt, deren Konsum auch Nicht-Horror-Fans möglich ist, aber im Übrigen den Geschmacksknospen des Einzelnen überlassen bleibt. Nur sehr wenige Szenen ertrinken in purer Grausamkeit, dafür sorgt schon der derbe, zumindest in der englischen Originalfassung allzeit zur Seite stehende Humor. Und um noch einmal auf das Handwerk zurückzukommen: Wenn ganz zum Schluss eine stille, leere Straße gezeigt wird, stellt man fest, wie angespannt man den bis dahin wilden Krawall verfolgt hat - und das spricht nun einmal für atmosphärische Dichte.
Claudia Nitsche
|  Baby (Sheri Moon Zombie) ist auf der Flucht vor Sheriff Wydell. (Foto: Tiberius Film)
 Der knallharte Otis (Bill Moseley) weiß sich zu wehren. (Foto: Tiberius Film)
 Sheriff John Quincey Wydell (William Forsythe) sucht die blutrünstige Familie Firefly. (Foto: Tiberius Film)
 Baby (Sheri Moon Zombie) und ihr Bruder Otis (Bill Moseley, rechts) ziehen mit ihrem Vater Captain Spaulding (Sid Haig) durch den Süden Amerikas. (Foto: Tiberius Film)
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