Aeon Flux
Charlize Theron ist nach ihrem oscarnominierten Part in "Kaltes Land" in dem Actionfeuerwerk "Aeon Flux" zu sehen - und zu bestaunen: Trotz eines gefährlichen Unfalls am Set macht sie eine unerhört gute Figur.
V:UIP, USA 2005, R: Karyn Kusama, D: Charlize Theron, Jonny Lee Miller, Marton Csokas u.a.
Wenn Schönheit töten kann
(tsch) Dass Schönheit gefangen nehmen kann, ist nicht nur ein romantischer Spruch. Jeder lässt sich gern beeindrucken von hübschen Menschen - ob Frau, ob Mann. Heidi Klums Suche nach "Germany's Next Topmodel" ist nur ein aktuelles Beispiel für die Faszination am makellosen Äußeren - und den schwierigen Weg dorthin. Charlize Theron steht freilich über all dem. Sie verließ vor über zehn Jahren ihre Heimat Südafrika, um Model zu werden. Was sich später als Mittel zum Zweck herausstellte: Mittlerweile ist die 30-Jährige die vielseitigste Schauspielerin im Filmzirkus, der sich Hollywood nennt. Nun ist sie als das zu sehen, was sie für den männlichen Teil der Bevölkerung noch unwiderstehlicher machen wird: In "Aeon Flux" huscht sie, in Latex gegossen, als Rebellin in einem fernen Zukunftsstaat mit akrobatischer Leichtigkeit über die Leinwand und kämpft gegen die totale Überwachung und Willkür der Mächtigen.
Schon die erste Szene dient als Sinnbild für das Potenzial der schönen Rebellin: Mit ihren Wimpern allein fängt sie eine Fliege, um sie nach kurzem Zappeln im wohl schönsten Gefängnis der Welt wieder in die Freiheit zu entlassen. Therons Blick verrät fast mehr über sie selbst als über ihre Rolle. Mit kühlem Kopf und sichtbarer Freude nimmt sie sich das, was ihr gefällt - und nur aus einem Grund: weil sie es eben kann. Als Aeon, eine ebenso gestählte wie wendige Kämpferin mit brillanten analytischen Fähigkeiten und einem gut organisierten Rebellennetzwerk im Rücken, soll sie Licht ins Dunkel bringen, was heißt: ungeklärte Vermisstenfälle aufklären. Und: Sie soll den Herrscher der letzten Zivilisation auf Erden umbringen. Schließlich wird dem die Verantwortung für alles Übel im Namen der Mächtigen angelastet.
Es ist ein Staat, der sich keine Demokratie leisten kann: Seit die Erde durch ein Virus fast menschenleer wurde, haben sich die Überlebenden in einer kleinen Kolonie namens Bregna verbarrikadiert gegen den Dschungel hinter den hohen Mauern, die mithilfe von Sprühanlagen für Pestizide vor dem Wildwuchs und dem Virus schützen sollen. Aeon lebt im Jahr 2400, die Bevölkerung lebt in zuckersüßer Harmonie. Das ist zumindest der äußerliche Anschein: Alles ist sauber, höchst fortschrittlich - und alle Menschen sind verdächtig schön.
Die Herrscherfamilie Goodchild mit dem Diktator Trevor (Marton Csokas) an ihrer Spitze hat seit Jahrhunderten die Macht inne. Es wird von wissenschaftlichen Experimenten gemunkelt, natürlich alles nur im besten Sinne für die Menschheit. Als die Killerin Aeon den Mordauftrag von ihrer Rebellenorganisation erhält, zweifelt sie keinen Moment daran. Vor allem nicht, weil ihre geliebte Schwester vom Regime ermordet wurde, nur weil sie mit Aeon, der Rebellin, gesehen wurde.
Auf spektakuläre Weise verschafft sie sich Zutritt zum Herrscherkomplex, der mit allen möglichen fantastischen Sicherheitsvorkehrungen ausgestattet ist. Doch als sie ihrem Opfer gegenübersteht, kann sie den Abzug nicht betätigen. Erinnerungen überwältigen sie. Irgendwoher scheint sie den Fiesling zu kennen - und eigentlich ist er gar kein Schurke, sondern ihr Geliebter. Die Macht der Erinnerung wird zusammen mit erwachenden Gefühlen für jemanden, den sie im Grunde nicht kennen kann, zu einem Schwächeanfall, der sie sogar mit dem vermeintlichen Unhold eine Liebesnacht verbringen lässt; denn auch Goodchild (von "xXx"-Bösewicht Csokas unnötig arglos verkörpert) weiß nicht, wo ihm der Kopf steht beim Anblick der Attentäterin.
"Aeon Flux" rückt das Thema "Vorverurteilungen" in den Mittelpunkt. Es geht um die schwierige Frage nach der Schuld, um eine Rebellion, die fehlgeleitet sein kann. Charlize Theron legt sich ins Zeug, mit selbst gedrehten Stunts unterstreicht sie ihr Engagement für den Film - und wurde dabei sogar beinahe schwer verletzt, weil sie sich bei einem Trampolin-Sprung den Hals verriss. Dennoch: Sie muss zwar nicht mit ihrer eigenen Kondition kämpfen, wohl aber mit dem schwachen Drehbuch von Phil Hay und Matt Manfredi. "Girlfight"-Regisseurin Karyn Kusama gelang es nicht, die beliebte Animationsserie von MTV angemessen für die Leinwand zu adaptieren. So gibt es zwar einige neue Spezialeffekte zu sehen, doch die Charaktere agieren allzu klischeehaft (darunter auch Ralph Herforth, der hölzern einen Scharfschützen der Rebellen mimt). Die Handlung bietet trotz einer unvorhergesehenen Wendung nur wenige Überraschungen.
Auch die Romantik kommt viel zu kurz: Die aufkeimende Liebschaft zwischen Aeon und Trevor wirkt unterkühlt. Die romantischste Szene des Films geht dabei fast unbemerkt am Zuschauer vorüber: In den ersten Minuten begegnet Aeon einem unbekannten Rebellen, der ihr per Zungenkuss einen Transmitter übergibt, den sie flugs schluckt und dadurch eine telepatische Verbindung mit dem Rebellenhauptquartier aufbauen kann. Der Unbekannte ist ihr derzeitiger Lebensgefährte Stuart Townsend, den Charlize Theron extra für diese Szene einfliegen ließ. Schließlich wollte sie nicht irgendjemanden küssen.
Leif Kramp |
 Eliteagentin Aeon Flux (Charlize Theron) will sich für die brutale Ermordung ihrer Familie rächen. (Foto: UIP / Jasin Boland)
 Aeon Flux (Charlize Theron) lernt den Vorsitzenden Trevor Goodchild (Marton Csokas) von einer ganz neuen Seite kennen. (Foto: UIP / Jasin Boland)
 Trevor Goodchild (Marton Csokas) will die Bewohner der Zukunftsstadt Bregna beschützen. (Foto: UIP / Jasin Boland)
 Una Flux (Amelia Warner) wird von Regierungsagenten umgebracht. (Foto: UIP / Jasin Boland)
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