Erotic Tales Vol. 5 - 7
(D 1993 - 2006, R: Diverse, D: Franziska Petri, Ellen ten Damme, Vincent D'Onofrio u.a.)
Manchmal sinnlich
Kunst muss nicht unbedingt einen Zweck erfüllen, sondern darf einfach nur Kunst sein. Sonst können sich Fantasien, Träume und Vorstellungen auch nicht materialisieren. Die Berliner Produzentin Renate Ziegler hat 1993 die Kurzfilmreihe "Erotic Tales" konzipiert und bekannte oder aufstrebende Regisseure gebeten, in jeweils 30 Minuten ihre Vorstellung von Erotik zu verfilmen. Rosa von Praunheim, der Oscar-nominierte Fridrik Thor Fridriksson oder Jos Stelling erfüllten diese Bitte und schufen fantasiereiche, manchmal witzige, aber nie pornografische Episoden, die zuerst im Nachtprogramm der ARD und der Dritten Programme ausgestrahlt wurden und nun als zehnteilige DVD-Edition aufgelegt werden. Gerade sind die Volumes fünf, sechs und sieben erschienen.
"Erotic Tales" - die Filme sind kein Platz für Voyeure. "Jeder definiert Erotik anders", erklärte die Produzentin Regina Ziegler, als sie die Serie ins Leben rief. Sie sei schon zufrieden, wenn dem Zuschauer einer von drei Filmen gefalle. Und so werden sie in den jetzt erhältlichen acht Teilen auch alle befriedigt: die Ästheten, die Freunde einfacher Unterhaltung und georgischer Absurditäten, die Kunstbeflissenen - und auch die Voyeure. Dass sich der Anspruch, es jedem mindestens einmal Recht zu machen, auf die Qualität des Gesamtwerks schlagen muss, wird dabei billigend in Kauf genommen.
Die einzelnen Filmemacher nähern sich dem Thema mit individueller Handschrift. Rosa von Praunheim zum Beispiel schuf mit "Can I Be Your Bratwurst, Please" (1999) ein absurdes, hochglänzendes, abgefahrenes Sinnesspektakel, in dem Alte, Junge, Hübsche, Hässliche, Heteros, Homos und Transvestiten in einem Hollywood-Motel Lust auf das beste Stück eines (echten) Porno-Stars haben. Szene-Legende Jeff Stryker spielt den attraktiven Gast, der sich als Bratwurst verkleiden muss.
Eher konventionell und ein wenig langweilig wird Franziska Petri in Szene gesetzt. Sie ist "Die Nachtschwester", die von Regisseur Bernd Heiber zu einem Stelldichein mit einem Polizisten geschickt wird. Langatmig erzählt und bebildert wie ein Softporno aus dem Nachtprogramm der Privaten ist hier kaum Erotik im Spiel. Mit wohldosierter Nacktheit und ohne Dialoge sind "Kimono" (Hal Hartney), "Die Tankstelle" (Jos Stelling) und "On Top Down Under" (Fridrik Thor Fridriksson) um einiges eindringlicher und sinnlicher.
Die Bildqualität trägt ihren Teil dazu bei, sie ist zwar nicht immer brillant, aber Schärfe und Detailtreue sind durchaus zufrieden stellend. Auch der Sound, in Dolby Surround, offenbart keine Schwächen. Bei den Extras müssen die Filmografien der Regisseure ausreichen - etwas wenig für eine derart ambitionierte Reihe.
Andreas Fischer
Bewertungsbox | Bildformat | 4:3 (Vollbild) | | Sprachen | Deutsch (2.0) | | Untertitel | Keine | | Extras | Filmografien (Text) | | Laufzeit | 60 Min. | | Tonsystem | Dolby Digital | | Regionalcode | Regionalcode 2 | | Preis | ca. 13 Euro | | Bewertung Film | überzeugend | | Bewertung Bild | gut | | Bewertung Ton | befriedigend | | Bewertung Extras | ungenügend | |
 Mit "Erotic Tales" erfüllte sich Produzentin Regina Ziegler einen Kindheitstraum. (Foto: WVG Medien)
 Gerade sind die Volumes fünf, sechs und sieben der "Erotic Tales" auf DVD erschienen. (Foto: WVG Medien)
 Die jetzt erhältlichen DVDs der "Erotic Tales"-Reihe enthalten acht Kurzfilme. (Foto: WVG Medien)
 Rosa von Praunheim in Hochform: Der Regisseur inszenierte das absurde Spektakel "Can I Be Your Bratwurst, Please?" (Foto: WVG Medien)
 Franziska Petri und Paul Faßnacht sind sehr konventionell und leidenschaftslos in Szene gesetzt. (Foto: WVG Medien)
 In "Georgische Trauben" feiert Georgi Shengelaya die Lebenslust seiner Landsleute. (Foto: WVG Medien)
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