Get Rich Or Die Tryin'
(USA 2005, R: Jim Sheridan, D: Curtis Jackson, Adewale Akinnuoye-Agbaje, Joy Bryant u.a.)
Lakonisches zum American Dream
Jim Sheridan erkannte offenbar, woran der Eminem-Film "8 Mile" krankte: daran, dass nie klar war, ob das nun Biopic oder Spielfilm oder Musikfilm sein sollte. Der US-Regisseur positioniert "Get Rich Or Die Tryin'" (2005) deshalb klarer. Musik ist hier nie der Inhalt, und was nun der Realität des Lebens von 50 Cent entnommen ist, bleibt ebenfalls offen. Es geht um ein Leben, das eben nicht so linear verlief, wie es ein flüchtiger Griff auf die Biografie impliziert und das viel mit HipHop, aber auch viel mit Kriminalität zu tun hatte. Was verblüfft: 50 Cent spielt die Rolle des Marcus mit Demut und taugt so durchaus als Beispiel für den American Dream, für den Gangsta Rap im Allgemeinen nach Sicht amerikanischer Konservativer wohl eher eine Gefahr darstellt. Jetzt erscheint der Film, der immerhin 420.000 Zuschauer in die Kinos lockte, auf DVD.
Die Art und Weise, mit der hier Gewalt rezipiert wird, ist vorbildlich: Es wird ganz genau geschildert, dass der Beruf des Gangsters zwar einen gewissen materiellen und gesellschaftlichen Status garantiert, aber eben von geringer Halbwertszeit ist und die wahren Werte woanders liegen. So spielen die berührendsten Szenen in einer Umgebung, die nach dem Big-City-Gepose der ersten Filmhälfte fast wie eine Parallellwelt wirkt: ein kleines Häuschen, irgendwo am Strand von Long Island.
Protagonist Marcus schwer verletzt, seine Freundin Charlene (Joy Bryant) an seiner Seite, dazu das gemeinsame Kind. Eine Idylle, die mit einer schweren Hypothek belegt ist, aber dank Willenskraft und Rapmusik gefestigt werden kann.
Vorher ist "Get Rich Or Die Tryin'" vor allem eines: verblüffend ernsthaft. Sheridan erzählt eine Karriere im kriminellen Milieu, deren zentrale Botschaft wohl "der Apfel fällt nicht weit vom Stamm" lautet: Marcus' Mutter ist Drogendealerin und stirbt früh, er wächst bei seinen Großeltern auf, wo er nur mäßig akzeptiert wird. Als Teenager beginnt er zu dealen.
Was folgt, ist ein solider Aufstieg in mafiösen Strukturen, der diverse Negativ-Höhepunkte findet: Raubüberfall, Gefängnisaufenthalt, am Ende eine Hand voll Kugeln im Körper. Bemerkenswert ist, dass all das sehr nüchtern und lakonisch erzählt wird und die Moral erst am dicken Ende kommt - fast hat man den Eindruck, Marcus und seine Jungs seien so eine Art neue Generation der Working Class, die eben etwas anders funktioniert als die alte.
Was schade ist: Manchmal wirkt "Get Rich Or Die Tryin'" etwas hingehuscht und inkonsequent - etwa wenn Sheridan und seine Kameramänner Declan Qinn und David Perault sich nicht entscheiden können, ob sie jetzt mit authentisch agierender Steadycam die Wurzeln des Films in der HipHop-Kultur unterstreichen oder doch im klassischen Hollywood-Breitbild agieren wollen.
Der Sound konzentriert sich naturgemäß auf die Musik - hier wummern also vor allem die Bässe. Optisch gibt es keinen Grund zur Klage - ausgezeichnete Schärfewerte und gute Kontraste erfreuen die Augen. Auch wenn die technische Umsetzung dieser DVD durchaus gelungen ist, bleibt die Disc unter ihren Möglichkeiten. Das zeigt ein Blick in den Bonus-Bereich: Neben dem Trailer und einem etwas effektheischenden, aber verblüffend substanzlosen Making Of gibt es nichts. Schade, gerade bei diesem Film wäre ein Audiokommentar sicher eine spannende Angelegenheit gewesen.
Jochen Overbeck
Bewertungsbox | Bildformat | 2,35:1 (anamorph) | | Sprachen | Deutsch (5.1), Englisch (5.1), Türkisch (5.1) | | Untertitel | Englisch, Deutsch, Türkisch | | Extras | Making Of; Trailer | | Laufzeit | 112 Min. | | Tonsystem | Dolby Digital | | Regionalcode | Regionalcode 2 | | Preis | ca. 18 Euro | | Bewertung Film | ausgezeichnet | | Bewertung Bild | gut | | Bewertung Ton | sehr gut | | Bewertung Extras | ausreichend | |
 "Get Rich Or Die Tryin'" ist ein authentischer HipHop-Film mit Rap-Superstar 50 Cent. Jetzt erscheint die DVD. (Foto: Paramount)
 Im Knast hat Marcus (50 Cent) viel Zeit, nachzudenken. (Foto: Universal)
 Marcus (Marc John Jeffereys) wird oft alleine gelassen. (Foto: Universal)
 Der junge Marcus (Marc John Jeffereys) wächst nach dem Tod seiner Mutter bei seiner Großmama (Viola Davis) auf. (Foto: Universal)
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