Spiel auf Zeit
(tsch) Die Kamera kommt kaum nach. Mühsam verfolgt sie die Hauptfigur des Films, den Cop Rick (Nicolas Cage, ab 17. November als "The Weather Man" im Kino), über Treppen und Hinterzimmer hinein in eine Casino-Arena in Atlantic City, womit zwei Dinge klar sind: 1. Rick ist ein überdrehter, hektischer und außerdem korrupter Polizist. 2. Regisseur Brian De Palma hatte nach zwei eher konventionellen Blockbustern ("Mission: Impossible", "Carlito's Way") Lust auf ein Experiment. Fast eine Viertelstunde dauert die Eröffnungssequenz von "Spiel auf Zeit" (1998), die nicht ein einziges Mal geschnitten wurde. Das ist zugleich das einzig Außergewöhnliche an einem Thriller (nun als Wiederholung bei RTL), dessen seltsamer dramaturgischer Aufbau der Spannung abträglich ist.
Nach dem ungewöhnlichen Auftakt nimmt der permanent plappernde Rick beim Box-Kampf in der Arena neben einem alten Bekannten Platz. Kevin (Gary Sinise), für die Bewachung des anwesenden Verteidigungsministers verantwortlich, ist Ricks alter Freund, der sein volles Vertrauen genießt. Wer da nicht schon skeptisch wird! Mit dem Gong zur ersten Runde beginnen die Ereignisse, die der Zuschauer höchst aufmerksam verfolgen sollte. Er bekommt sie im Verlauf des Films in Rückblenden immer wieder vorgehalten.
Eine verdächtige Rothaarige taucht plötzlich auf. Kevin geht ihr nach. Eine Blonde betritt die Szenerie und beugt sich über den Verteidigungsminister. Dann geht der Boxchampion nach einem harmlosen Wischer zu Boden. Schüsse fallen, der Politiker ist tot. Kevin knallt irgendwo in den oberen Rängen den arabischen Attentäter nieder. Und der hyperaktive Rick erweist sich plötzlich als Cop mit Weitblick.
Der Täter ist tot, es leben die Täter. Logisch, dass der Araber Auftraggeber hatte. Und die verrät das Drehbuch von David Koepp ("Jurassic Park") wirklich früh. Es geht um die Motive, um die genauen Abläufe, um Militärtests, die nicht so erfolgreich waren, wie der Minister angenommen hatte. Im Mittelpunkt von allem steht aber Rick selbst, ein bestechlicher Cop nahezu ohne privaten Background. Er wird zum alleinigen Aufklärer und schließlich sogar zum Moralapostel, als ihm eine Million Dollar angeboten wird, wenn er die Schuldigen laufen lässt. Doch der Plot bricht mit seiner zentralen Figur, die nun plötzlich zu einem Helden werden soll, den man ihr aber nicht abkauft. Da nutzen auch die letzten Minuten nichts, in denen schließlich doch noch Ricks unrühmliche Zukunft angedeutet wird.
Nick Petersen | Spiel auf Zeit RTL 31.07.2005 20:15:00  Detective Rick Santoro (Nicolas Cage) nimmt im Mordfall des Verteidigungsministers Kirkland die Ermittlungen auf. (Foto: RTL)
 Die Wiedersehensfreude bei dem Polizist Rick Santoro (Nicolas Cage, links) und seinem besten und ältesten Freund, Navy Kommander Kevin Dunne (Gary Sinise), ist nur von kurzer Dauer. (Foto: RTL)
 Rick Santoro (Nicolas Cage, links) ist so auf den Boxkampf konzentriert, dass er nicht bemerkt wie eine Unbekannte (Carla Gugino) mit dem US Verteidigungsminister (Joel Fabiani) spricht. (Foto: RTL)
 Navy Kommander Kevin Dunne (Gary Sinise) ist für die Sicherheit des Verteidigungsministers Kirkland verantwortlich gewesen. Er fühlt sich schuldig und will mit aller Macht den Täter ausfindig machen. (Foto: RTL)
|