Ein Sommernachtstraum
(USA / I / GB 1999, R: Michael Hoffman, D: Kevin Kline, Michelle Pfeiffer, Sophie Marceau u.a.)
Shakespeare light
Die Welt wäre ohne William Shakespeare um einiges ärmer. Noch Jahrhunderte nach seinem Tod prägt der Engländer mit seinem unvergleichlichen Verständnis für das Tragische und das Komische die Bühnen rund um den Globus. Da das Theater in den letzten 100 Jahren aber, um es mal salopp auszudrücken, immer mehr Marktanteile an den Film verlor, tummeln sich die elisabethanischen Helden auch auf der Leinwand. Die Inszenierungen der Filmemacher sind mehr oder weniger originalgetreu, mehr oder weniger unterhaltsam und mehr oder weniger innovativ. In Michael Hoffmans Version von "Ein Sommernachtstraum", die jetzt erstmals auf DVD erscheint, heißen die Helden Hermia, Demetrius und Titania und werden in einem luftig-unterhaltsamen Film von Hollywood-Stars gespielt.
Kenneth Branagh sorgte 1989 mit seiner Inszenierung von "Henry V." für ein Shakespeare-Revival und legte später mit "Hamlet" und "Viel Lärm um nichts" nach. Auf diesen Zug sprang 1999 auch Michael Hoffman ("Tage wie dieser") auf, allerdings ohne den Charme und Witz eines Branagh zu erreichen. Hoffman vertraute bei seiner Version lieber auf farbenprächtige Opulenz und seine Leinwand-All-Stars um Michelle Pfeiffer, Kevin Kline, Sophie Marceau, Christian Bale und Rupert Everett. Die schickt er allerdings nicht in den Athener Wald, sondern in die Toskana im ausgehenden 19. Jahrhundert.
Die vergnüglichen Verwicklungen bleiben die gleichen: Hermia (Anna Friel) ist Demetrius (Christian Bale) versprochen, liebt aber Lysander (Dominic West). Sie flieht in den Zauberwald des Elfenkönigs Oberon, der seinerseits Probleme mit dem Nachwuchs hat und seinen Kobold Puck (Stanley Tucci) mit Liebestropfen durch den Wald schickt. Da der gerade vor jungen liebestollen Menschen wimmelt, ist Puck überfordert (oder sitzt ihm einfach nur der Schalk im Nacken?), und es beginnt ein kompliziertes Verwirrspiel um Liebe, Lust und Leidenschaft das sich in allgemeiner Zufriedenheit auflöst.
Hoffman hat seine Version des "Sommernachtstraum" mit leicht gekürztem Originaltext detailverliebt und märchenhaft inszeniert. Anders als Baz Luhrmanns "Romeo und Julia", "10 Dinge, die ich an Dir hasse" (nach "Der Widerspenstigen Zähmung", Regie Gil Junger) und "O." (nach "Othello", Regie: Tim Blake Nelson) möbelte er die Inszenierung nicht für ein junges Zielpublikum auf. Hoffman vertraute auf die klassische Kraft Shakespeares und schuf zwei starbesetzte Stunden wunderbarer Familienunterhaltung. Das ist zwar Shakespeare light, aber sehr amüsant.
Der hohen Unterhaltungsfaktor wird von einer glänzenden Optik und einem ordentlichen Sound unterstützt. Die scharfen, detailreichen und fehlerlosen Cinemascope-Bilder kommen mit satten Farben und ausgezeichneten Kontrastwerten. Auch ohne viele Surroundeffekte schafft der Sound eine dichte Atmosphäre, in der sich Musik und Dialoge voll entfalten können. Das einzige Manko der interessanten und vielfältigen Extras ist deren Kürze. Making Of, "Hinter den Kulissen" - Feature und Interviews mangelt es dadurch ein wenig an Tiefgang.
Vera Seeberg
Bewertungsbox | Bildformat | 2,35:1 (anamorph) | | Sprachen | Deutsch (5.1), Englisch (5.1) | | Untertitel | Deutsch | | Extras | Making Of; Interviews; Hinter den Kulissen; Zur Geschichte des Theaterstücks; Produktionsnotizen; Fotogalerie | | Laufzeit | 116 Min. | | Tonsystem | Dolby Digital | | Regionalcode | Regionalcode 2 | | Preis | ca. 10 Euro | | Bewertung Film | überzeugend | | Bewertung Bild | gut | | Bewertung Ton | gut | | Bewertung Extras | gut | |
 Michael Hoffmans serviert mit "Ein Sommernachtstraum" einen leicht konsumierbaren Shakespeare. (Foto: Kinowelt)
 Vier lieben sich, aber jeder den anderen, von links: Helena (Calista Flockhart), Demetrius (Christian Bale), Lysander (Dominic West) und Hermia (Anna Friel). (Foto: Kinowelt)
 Puck (Stanley Tucci, links) wird von seinem Boss, dem Elfenkönig Oberon (Rupert Everett), mit Liebestropfen auf eine geheime Mission geschickt. Doch der närrische Kobold ist überfordert und sorgt für die längste Nacht im Zauberwald. (Foto: Kinowelt)
 Wo die Liebe hinfällt: Titania (Michelle Pfeiffer) verliebt sich in Bottom (Kevin Kline), den Puck zuvor in einen Esel verwandelte. (Foto: Kinowelt)
 Athens Herzog Theseus (David Straithaim) und Amazonenkönigin Hippolyta (Sophie Marceau) im feinen italienischen Zwirn: Die beiden Königskinder wollen demnächst heiraten. (Foto: Kinowelt)
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