Trennung mit Hindernissen
Die beste, weil ehrlichste romantische Komödie des Sommers: Jennifer Aniston und Vince Vaughn zeigen, dass Trennungen oft leichter fallen als erhofft.
V:UIP, USA 2006, R: Peyton Reed, D: Jennifer Aniston, Vince Vaughn, Cole Hauser u.a.
Wer sich trennt, der liebt sich
(tsch) Männer und Frauen passen einfach nicht zusammen. Das ist freilich eine ziemlich dumme Binsenweisheit. Doch dass die Interessen der beiden Geschlechter hin und wieder unterschiedlich ausgerichtet sind, ist bittere Wahrheit, zumindest wenn sich zwei Geschöpfe so sehr unterscheiden wie das Paar in der besten romantischen Komödie des Sommers. In "Trennung mit Hindernissen" treten Vince Vaughn ("Die Hochzeitscrasher") und Jennifer Aniston ("Wo die Liebe hinfällt") gegeneinander an oder anders gesagt: Sie verlieben sich ineinander. Regisseur Peyton Reed hatte zuletzt mit Renée Zellweger und Ewan McGregor die überzuckerte Hommage an die 60er-Jahre, "Down with Love", gedreht und musste nun mit einem delikaten Problem kämpfen: Jennifer Anistons Trennungswunden aus ihrer gescheiterten Beziehung mit Brad Pitt waren noch allzu frisch, als ihr das verblüffend ähnliche Drehbuch angeboten wurde. Sie sagte zwar zu - ein Glück für den Film - doch war eine besonders sensible Regieführung angebracht, um nicht doch in ein Fettnäpfchen zu treten.
Dabei beginnt der Film fröhlich und unbeschwert: Als Gary während eines Baseballspiels zufällig die hübsche Brooke erspäht, setzt er alles daran, sie von ihrem Begleiter zu entfremden und zu überzeugen, doch lieber mal mit ihm auszugehen. Natürlich reagiert sie zunächst etwas konsterniert, doch schließlich versuchen es die beiden aber doch miteinander.
Keine gute Idee, denn nur selten bewahrheitet sich die Regel, dass sich in Liebesdingen Ungleich gern gesellt. Natürlich: Das Paar hat gemeinsam viel Spaß, was vor allem an dem größtenteils doch recht kindlichen Naturell Garys liegt. Er verdingt sich als Stadtführer in den Bussen der Sightseeing-Firma seines Bruders und witzelt sich dadurch in die erste Liga von Chicagos Reiseanimateuren.
Doch daheim sieht es weniger lustig aus. Während Brooke zu einem gepflegten Dinner eingeladen werden möchte, zieht Gary die gelieferte, fettige Pizza auf dem Sofa vor. Was geht schon über einen Fernsehabend mit einem spannenden Baseball-Spiel! Irgendwann hält Brooke es nicht mehr aus und stellt ihre keineswegs bessere Hälfte zur Rede. Doch anders als erwartet, wird sich diesmal nicht vertragen, sondern ein Strich, ein Schlussstrich sogar gezogen.
Bleibt nur die Frage, wer auszieht; denn die Eigentumswohnung hat das Duo Infernale gemeinsam gekauft. Da will nichts zerstört, ja auch nur beschädigt werden, wie es Filmverliebte vielleicht noch aus Michael Douglas und Kathleen Turners "Rosenkrieg" kennen. Also werden subtilere, psychologisch ausgefeilte Waffen gewählt, um den jeweils Anders hinauszuekeln.
Während Vince Vaughn über weite Längen des Films den Kasper gibt, übernimmt Jennifer Aniston anrührend glaubhaft den resignierenden Part in der kriselnden Beziehung. "Trennung mit Hindernissen" war ihr erster Film nach ihrer tatsächlichen Trennung von Brad Pitt. Dennoch bewahrt die 37-Jährige deutliche Distanz zu der für sie besonders bitteren Thematik, und an einigen Stellen glaubt man sogar, sie hätte Spaß an den Dreharbeiten gehabt.
Ein Film als Therapie, als Befreiungsschlag, um privaten Ballast abzuschütteln? Es ist zwar kaum anzunehmen, dass es sich Brad Pitt in der gemeinsamen Villa ähnlich wie der selbstgerechte und ausnehmend faule Gary bequem gemacht hat, um sich bedienen zu lassen. Doch die emotionale Qualität des weiblichen Dilemmas in dieser Geschichte hat universalen Charakter. Der maskuline Hang zum Kopfschütteln, wenn es um wichtige Aufgaben wie Staubwischen oder gar Staubsaugen, den Abwasch oder die Müllentsorgung geht, ist schließlich weit verbreitet. Identifikationsmöglichkeiten gibt es also genug im Streit der Geschlechter.
PR-Nahrung erhält die Komödie durch die ewig währenden Berichterstattungen in der Klatschpresse über eine eventuelle Beziehung zwischen Vince Vaughn und Jennifer Aniston. Das Thema zuletzt: die mögliche Trennung des ewigen Vielleicht-Paares. Doch zumindest im Kino sollte das kein Thema sein. Denn "Trennung mit Hindernissen" führt auf unterhaltsame Weise vor Augen, wie ein Kräftemessen zwischen Liebenden, die ihren Stolz nicht oder zu spät überwinden können, in die Sackgasse führen kann. Wenn eine Beziehung zum öffentlichen Disput wird, ohne dass die Öffentlichkeit in Person der Freunde des jeweiligen Partners mit in die Auseinandersetzung hineingezogen werden möchte, dann liegt mehr im Argen als eine bloße Verstimmung wegen getragener Müffel-Socken im Kleiderschrank.
Die Leistung des erfrischenden, weil in großen Teilen doch sehr realistischen Drehbuchs von Jeremy Garelick und Jay Lavender zeigt sich besonders im hoffnungsvollen Ende, das in seiner Ehrlichkeit das wohl dankbarste Finale ist, mit dem eine solche Komödie über Zwietracht und verletzte Gefühle schließen kann.
Leif Kramp |  Nach zwei Jahren hat Brooke Meyers (Jennifer Aniston) genug von ihrem Freund Gary. (Foto: 2006 Universal Studios / Melissa Moseley)
 Gary Grobowski (Vince Vaughn) sieht es gar nicht ein, aus der gemeinsamen Wohnung auszuziehen. (Foto: 2006 Universal Studios / Melissa Moseley)
 Addie (Joey Lauren Adams, links) versucht, ihre Freundin Brooke (Jennifer Aniston) aufzuheitern. (Foto: 2006 Universal Studios / Melissa Moseley)
 Eigentlich scheint die Beziehung zwischen Brooke (Jennifer Aniston) und Gary (Vince Vaughn) perfekt zu sein. (Foto: 2006 Universal Studios / Melissa Moseley)
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