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  Titel: Mando Diao: Interview zu Verfasst am: 07.09.2006, 20:25   
 
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  • Zu 100 Prozent sie selbst

    Band Mando Diao

    (tsch) München, Georg-Elser-Halle, 22 Uhr: Mando Diao betreten die Bühne. Die Menge schreit und klatscht. Es ist eine Art "Secret-Concert", das die fünf Schweden-Jungs da geben. Doch trotz Geheimnis im Vorfeld: Der Saal ist gerammelt voll. Und alle wollen nur eines: die schweißtreibende Show sehen und das neue, bereits dritte Album "Ode To Ochrasy" hören. "Ode To" wohin? Noch nie gehört! Kein Wunder - so wie der Bandname Mando Diao ist auch "Ochrasy" ein erfundenes Wort. Vor dem Konzert verrieten der Drummer Samuel Giers und der Keyboarder Mats Björke, was der Fantasie-Begriff bedeutet, plauderten über Herrn Horst, aber auch über die Vorteile junger Groupies und ihre eigene Arroganz: Beim Konzert verhielten sie sich ganz Mando-Diao-like wie männliche Diven, ließen sich von den Helfern die Gitarren bringen und umhängen und mussten sich nicht einmal selbst den Hut beim Song "Good Morning, Herr Horst" aufsetzen ...

    teleschau: Euer neues Album "Ode To Ochrasy" ist voll mit seltsamen Namen und Worten. Was zum Beispiel ist "Ochrasy"? Im Wörterbuch ist es nicht zu finden ...

    Samuel: Jeder Song handelt von unterschiedlichen Charakteren, und wir wollten nicht ihre richtigen Namen verwenden. Deshalb dachten wir uns neue Wörter aus. Der Fantasie-Begriff "Ochrasy" entstand, als wir über den Titel des Albums nachdachten. Es ist so etwas wie ein Traumland.

    Mats: Björn, der den Song "Ochrasy" schrieb, kreierte dieses Wort. Darin geht es um Tagträume und das Entfliehen aus dem manchmal schrecklichen Leben. "Ochrasy" ist so was wie eine Welt, in die wir uns nach einem Gig zurückziehen. Die wenigen Stunden, in denen wir relaxen können.

    Samuel: Das ist eine Zeit, ein Raum in schwarz-weiß, in dem alles passieren kann. In dem du verrückte Menschen triffst. In diesen "Ochrasy"-Momenten plant man nichts, sondern man lässt alles auf sich zukommen.

    teleschau: Also ist zum Beispiel der Herr Horst in "Good Morning, Herr Horst" auch erfunden?

    Mats: Nein, den gibt's wirklich. Das ist ein Obdachloser, der in Stockholm lebt und ursprünglich aus Hamburg kommt. Er ist ungefähr 55 Jahre alt und versucht jeden Tag, Harmonika zu spielen. Neben ihm läuft ein kleines Reiseradio mit schlechtem Empfang. Wir trafen ihn zufällig vor etwa sechs Monaten auf der Straße. Es war dunkel, wir erkannten ihn kaum und gaben ihm ein paar Euros. Eine sehr seltsame Situation aus der dieser Song entstand.

    teleschau: Luc Robitaille aus "Welcome Home, Luc Robitaille" existiert auch wirklich. Er war ein amerikanischer Eishockeyspieler ... Spielt Ihr etwa selber?

    Samuel: Nein, aber wir sind große Eishockeyfans. Als Gustaf mal seine Eltern besuchte, kramte er in seinen alten Sachen und stieß dort auf alte Eishockeybilder, die er früher sammelte, als er noch klein war. Und er fand es selbst ziemlich komisch, dass er Luc Robitaille als sein großes Vorbild ansah. Denn der war nicht einmal der beste Spieler. Deshalb schrieb er den Song.

    teleschau: Wie entstehen die Lieder? Entwickelt Ihr die gemeinsam?

    Samuel: Björn und Gustaf schreiben alle Songs. Manche von denen sind, wenn wir sie das erste Mal spielen, schon fast fertig. Viele andere wiederum entwickeln sich erst nach mehrmaligem Ausprobieren und Arrangieren in Gemeinschaftsarbeit.

    Mats: Oft finden wir erst, wenn wir miteinander spielen, den richtigen Sound, auch wenn die Melodien und Lyrics schon vorher von den beiden Frontmännern geschrieben wurden. Dann können wir tatsächlich entscheiden, welche Songs gut und welche schlecht sind. Eigentlich ist das ein recht simpler Prozess.

    teleschau: Warum wurde "Long Before Rock'n'Roll" als Erstes ausgekoppelt?

    Samuel: Weil es eines der typischsten Mando-Diao-Lieder auf "Ode To Ochrasy" ist.

    Mats: Es war außerdem der erste Song, den wir für das neue Album aufnahmen. Er ist schon so lange bei uns und mit uns unterwegs, und wir finden ihn noch immer richtig gut.

    teleschau: "Ode To Ochrasy" ist Euer drittes Album. Welches der drei bereitete Euch im Vorfeld die meisten Schwierigkeiten? Für welches habt Ihr am längsten gebraucht?

    Samuel: Die Arbeit zu dieser Platte war deshalb schwierig, weil wir sehr lange gebraucht haben, bevor wir es veröffentlichen konnten. Wir fingen ja bereits im letzten Oktober an aufzunehmen. Doch wir hatten Probleme mit dem Produzenten ...

    teleschau: Björn Olsson, der Ex-Gitarrist von The Soundtrack Of Our Lives, schmiss nach nur fünf Songs die Arbeit ...

    Samuel: Genau. Er ist ein echt netter Typ und ein guter Songwriter, aber er scheut Konflikte, drückt sich schnell vor Arbeit und ist nicht sehr sozial. Wir mussten schließlich alles alleine machen und starteten erst im Februar so richtig durch. Ehrlich gesagt, war es sehr befreiend, auf sich alleine gestellt zu sein. So konnten wir viel von den Produktionsprozessen lernen und das tun, worauf wir Lust hatten. Ohne Druck.

    teleschau: Wolltet Ihr Euch damals nicht nach einem anderen Producer umsehen?

    Samuel: Nein, wir hatten die Schnauze voll, uns andauernd von anderen sagen zu lassen, was wir zu tun haben. Wir hatten keine Lust mehr, auf Leute zu warten, die uns von einem speziellen Gitarrensound überzeugen wollen. Wenn einem ständig jemand reinredet, verlieren die Songs an Natürlichkeit.

    teleschau: Das Album, das seid also zu 100 Prozent ihr selbst.

    Samuel: Ja, total. Das ist das bisher selbstbewussteste, natürlichste und gesundeste Album, das wir gemacht haben - ohne Kompromisse. Schließlich wissen Mando Diao am besten, wer Mando Diao sind und was sie wollen.

    teleschau: Wie kommt Ihr eigentlich mit der großen Konkurrenz auf dem Poprock-Markt klar?

    Mats: Das kümmert uns wenig. Wir machen unser Ding, die machen ihres. Obwohl man manchmal schon merkt, dass andere Bands neidisch sind auf uns, weil wir so weit weit gekommen sind. Und wir wissen, dass wir gut sind.

    teleschau: Selbst auf dem schwedischen Markt gibt's einige andere Konkurrenz-Bands - Sugarplum Fairy - mit Gustafs Brüdern Victor und Carl - zum Beispiel.

    Samuel: Ich finde es ziemlich gut, dass es dort so viele Gruppen gibt. Das macht die gesamte Szene erst so richtig spannend, und alle spornen sich gegenseitig an. Man inspiriert sich, der Druck macht kreativ. Ohne Konkurrenz wäre Musikmachen langweilig.

    teleschau: Bemerkt Ihr einen Gerangel bei den Norén-Brüdern?

    Samuel: Nein, nicht von Gustafs Seite. Es sind eher die Sugarplum Fairys, die neidisch auf uns sind, weil wir eben immer einen Schritt voraus sind. Und sie sind die Jüngeren. Ich glaube, es war eine schlechte Entscheidung von ihnen, ihr neues Album fast zeitgleich zu unserem zu veröffentlichen. So werden sie weiterhin hinter uns zurückbleiben. Aber natürlich wünsche ich ihnen Erfolg! Sie sind eine gute Band, die noch viel Zeit hat, dazu zu lernen.

    teleschau: Wenn Ihr Konzerte gebt, dann wimmelt es nur so von jungen, meist weiblichen Fans. Wünscht Ihr Euch nicht manchmal älteres Publikum?

    Samuel: Nein, denn es macht sehr viel Spaß vor jungen Leuten zu spielen. Wenn dort 14-jährige Jungs und Mädels stehen, dann weißt du, dass die Reaktion der Menge auf dein Konzert absolut ehrlich ist. Je älter man wird, desto mehr Alkohol muss man trinken, um überhaupt zu tanzen. Man wird viel zurückhaltender. Das erkenne ich ja an mir selbst: Mit 16 war ich viel wilder als heute. Nun denke ich eher: "Tanz' nicht so ausgelassen, das sieht dämlich aus."

    teleschau: Ihr tretet oft bei Festivals auf. Was tut Ihr, um Euch von all den anderen Bands zu unterscheiden?

    Mats: Natürlich machen wir meist einfach unser Ding. Aber ich würde mal behaupten, dass wir die Wildesten sind. Obwohl wir schon so viele Konzerte gegeben haben, sind die Auftritte für uns noch immer sehr wichtig. Es soll einfach stets eine gute Show werden, bei der wir mit dem Publikum eins sind.

    teleschau: Wenn von Euch und Euren Konzerten die Rede ist, behaupten viele, Ihr wärt ziemlich arrogant ...

    Mats: Wenn Leute über uns sagen, wir seien arrogant, dann finde ich, dass sie etwas übersehen haben. Man muss unsere Musik in ihrer Ganzheit betrachten. Die Leute sollten einfach unsere Alben genauer anhören, und schon wären sie womöglich umgestimmt und könnten herausfinden, wer und wie wir wirklich sind.

    teleschau: Vielleicht muss eine Rockband überheblich sein, um zu wirken?

    Mats: Gut möglich. Wir sind in manchen Dingen sicher eingebildet. Ich persönlich werde arrogant, wenn Fragesteller blöde Dingen wissen wollen. Und wenn dumme und sehr persönliche Kommentare über das Album gemacht werden.

    teleschau: Zum Beispiel?

    Mats: Neulich sagte einer: "Eure Musik war beim Konzert zu soft. Ich konnte darauf nicht tanzen." Was soll das bitte für ein Kommentar sein?

    Die Tourdaten der fünf Mandos:

    07.11., Hamburg, Gr. Freiheit

    08.11., Dortmund, Westfalenhalle 3

    09.11., Köln, Palladium

    10.11., Offenbach, Stadthalle

    11.11., Stuttgart,

    17.11., München, Zenith

    18.11., Leipzig, Haus Auensee

    20.11., Berlin, Columbiahalle

    21.11., Hannover, Capitol

    Julia Schöppner



    Mando Diao wissen, dass sie gut sind - von links: Mats Björke, Gustaf Norén, Carl-Johan Fogelklou, Björn Dixgård und Samuel Giers.
    Mando Diao wissen, dass sie gut sind - von links: Mats Björke, Gustaf Norén, Carl-Johan Fogelklou, Björn Dixgård und Samuel Giers. (Foto: EMI / Hans Gedda)

    Wild, wilder, Mando Diao ...
    Wild, wilder, Mando Diao ... (Foto: EMI / Hans Gedda)

    Nach Gigs ziehen sich Mando Diao in ihre Fantasie-Welt
    Nach Gigs ziehen sich Mando Diao in ihre Fantasie-Welt "Ochrasy" zurück. (Foto: EMI / Hans Gedda)

    Produzierten ihr drittes Album quasi im Alleingang: Mando Diao.
    Produzierten ihr drittes Album quasi im Alleingang: Mando Diao. (Foto: EMI / Hans Gedda)

    Die Schweden Mando Diao wirken auf der Bühne wie männliche Diven.
    Die Schweden Mando Diao wirken auf der Bühne wie männliche Diven. (Foto: EMI / Hans Gedda)




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