Trainspotting
(tsch) Obi-Wan Kenobi hat schon mal schlechtere Tage erlebt - vor seiner Lichtschwertphase schwang dessen Darsteller Ewan McGregor (34) statt der edlen Jedi-Waffe Opiumzäpfchen und verrostetes Spritzbesteck. In dem sehr britischen, sehr guten Junkie-Film "Trainspotting - Neue Helden" schwimmt der blauäugige Schotte in dem dreckigsten Klo der Filmgeschichte, statt gediegen mit seinem "Jedi-Star-Fighter" durch die Weiten des Alls zu cruisen. Seit 5. August muss sich der Schauspieler allerdings wieder Sorgen um seine Körperlichkeit machen: In dem Sci-Fi-Actionthriller "Die Insel" soll es ihm an die Organe gehen. Kurz nach Kinostart des Klon-Spektakels hievt RTL II nun Danny Boyles Drogenepos von 1995, das McGregors Durchbruch markierte, erneut ins Programm.
Als Mark Renton hat er es in "Trainspotting" mit einem äußerst irdischen Problem zu tun: der Heroinsucht. "Nimm den besten Orgasmus, nimm ihn mal tausend, und du bist noch nicht einmal nah dran." So beschreibt Mark das Gefühl, wenn sich die Droge ihren Weg durch die Blutbahn ins Hirn bahnt. Als der Film 1996 in die Kinos kam, gab es durchaus negative Stimmen: "Zu wenig kritisch", hieß es. "Wir sind nicht angetreten, um den Leuten eine Predigt zu halten. Die Realität ist viel schlimmer als das, was wir in 'Trainspotting' zeigen", sagte Regisseur Danny Boyle (seine neue Komödie "Millions" startet am 25. August in den Kinos) den Kritikern.
Gemeinsam mit seinen Freunden fristet Mark ein wenig glorreiches Dasein in einem Vorort der schottischen Hauptstadt Edinburgh. Da gibt es den ebenfalls heroinabhängigen Spud (Ewen Bremner) und Sick Boy (Jonny Lee Miller), der auch nichts gegen einen Schuss einzuwenden hat, dessen Liebe aber eigentlich James-Bond-Filmen und selten seinem Baby gilt. Außerdem sind da noch Tommy (Kevin McKidd), der Drogen zunächst noch ablehnt, und der brutale Begbie (Robert Carlyle), der lieber säuft und sich den Kick bei einer guten Schlägerei holt.
Mit brutaler Offenheit balanciert Danny Boyle in "Trainspotting" immer ganz nah am Abgrund zum Drama. Auch wenn manche Szenen den Zuschauer schlucken lassen, insgesamt überwiegt der rabenschwarze Humor. So ist es eben irgendwie witzig, wenn Mark sich in das karibische Meer träumt, in der Realität aber in der widerlichsten Toilette Schottlands steckt. Der großartige Soundtrack tat sein Übriges, die rasante wie absurde Verfilmung des Irvine-Welsh-Romans zum Kultfilm avancieren zu lassen.
Susanne Wolff | Trainspotting RTL II 13.08.2005 00:05:00  Spud (Ewen Bremner, links), Renton (Ewan McGregor, Mitte) und Begbie (Robert Carlyle) bestreiten ihren Tagesablauf mit der unablässigen Suche nach Betäubungsmitteln. (Foto: RTL II)
 Junkie aus Leidenschaft: Mark Renton (Ewan McGregor) würde für seinen nächsten Schuss alles tun. (Foto: RTL II)
 Ab durch die unendlichen Weiten eines schottischen Kneipenklos: Mark (Ewan McGregor) verlor kurz sein Opiumzäpfchen aus den Augen ... (Foto: RTL II)
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