Die Tiefseetaucher
(USA / I 2004, R: Wes Anderson, D: Bill Murray, Owen Wilson, Cate Blanchett u.a.)
Das Meer ist schön, aber kühl
Wes Anderson ist eine Erscheinung, die man einfach unterschätzen muss. Der 35-Jährige sieht immer noch aus wie der schrullige Zimmernachbar aus der Studenten-WG, der es einfach nicht schafft, seinen Abschluss zu machen. Doch es steckt ein Künstler in ihm, im neuen Lieblingskind der Hollywoodstudios. "Die Tiefseetaucher", seine zweistündige Hommage an den 1997 verstorbenen Ozeanographen Jacques-Yves Cousteau, ist ein Sammelsurium an irrwitzigen Details, kreativen Einfällen und liebenswerten Figuren, das jetzt auch auf DVD erhältlich ist.
Ein Meeresforscher (Bill Murray), früher einmal Star der Szene, hat seinen Glanz verloren und wird von einem jüngeren, finanziell sehr viel potenteren Konkurrenten überflügelt. Doch Steve Zissou, so der Name des erfolglosen Charismatikers, gibt nicht auf und versucht mit einer Rache-Expedition an einem Monsterhai, der seinen besten Freund getötet hat, sein Comeback. Das endet indes in einer chaotischen Irrfahrt, in deren Verlauf die Crew Opfer eines Piraten-Überfalls und selbst wegen Materialmangels zur Diebesbande wird.
Zissou hat also mit allerhand Problemen zu kämpfen: Seine Frau (erneut hexenhaft: Anjelica Huston) verlässt ihn zugunsten seines bittersten - und zudem homosexuellen - Konkurrenten (herrlich: Jeff Goldblum). Er selbst kommt mit seiner eigenen Alterung nicht zurecht. Schließlich taucht auch noch sein innerlich verdrängter Sohn auf, und sein Hassobjekt, der Monster-Hai, ist unauffindbar.
Die versammelte Starriege - Cate Blanchett als schwangere Reporterin, Willem Dafoe als deutscher und gefühlskranker Maat, Owen Wilson in der Rolle des neu entdeckten Sohnes - ist bemerkenswert. Dazu sitzt Seu Jorge, bekannt aus "City of God", in angenehmer Regelmäßigkeit irgendwo auf dem Schiff und singt Bossa-Nova-Versionen von David-Bowie-Klassikern.
"Es war manchmal schwer festzustellen, wo Steve Zissou aufhörte und wo Bill Murray anfing", sagte Murrays Filmsohn Owen Wilson in den kurzen, aber unterhaltsamen Extras. Eine Viertelstunde lang "Stars am Set" - eine Art munter zusammen geschnittenes "Hinter den Kulissen"-Feature und fünf Minuten zusätzliche Szenen sind aber leider nicht mehr als Appetithäppchen.
Wes Anderson visuelle Spielereien wurden brillant umgesetzt. Knallige Farben und sehr gute Schärfewerte lassen den Film mit allen Details erstrahlen. Der Sound hält sich hingegen etwas zurück - Musik und Dialog sind perfekt abgemischt, aber räumliche Effekte plätschern nur zaghaft aus den Surroundboxen.
Claas Nielsen
Bewertungsbox | Bildformat | 2,35:1 (anamorph) | | Sprachen | Deutsch (5.1), Englisch (5.1), Türkisch (5.1) | | Untertitel | Deutsch, Englisch, Türkisch, Französisch, Spanisch, Italienisch, Griechisch, Arabisch | | Extras | Entfallene Szenen; Audiokommentar; Hinter den Kulissen | | Laufzeit | 114 Min. | | Tonsystem | Dolby Digital | | Regionalcode | Regionalcode 2 | | Preis | ca. 20 Euro | | Bewertung Film | Überzeugend | | Bewertung Bild | sehr gut | | Bewertung Ton | gut | | Bewertung Extras | befriedigend | |
 Schrullige Hommage an alle Meeresbiologen: Wes Andersons "Die Tiefseetaucher" erscheint jetzt auf DVD. (Foto: Buena Vista)
 Das Team Zissou mitten in seinem größten Abenteuer - auf der Suche nach einem bösen Fisch. (Foto: Buena Vista)
 Eleanor Zissou (Anjelica Houston) lässt sich von Steves Erzfeind Alistair Hennessey (Jeff Goldblum) bezirzen. (Foto: Buena Vista)
 Mit an Bord der Belafonte sind auch Ned (Owen Wilson, Mitte), Steves (Bill Murray) unehelicher Sohn, sowie die schwangere Journalistin Jane (Cate Blanchett). (Foto: Buena Vista)
 Der international bekannte Ozeanograph Steve Zissou (Bill Murray) will auf seiner vielleicht letzten Expedition den Hai ausfindig machen und töten, weil der Steves besten Freund verspeist hat. (Foto: Buena Vista)
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