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Die 10 besten Filme des Jahrzehnts: 2000-2009

Die 10 (bzw. 25) besten Filme der Nullerjahre (2000-2009)

(cg) Eine klare Nr.1 gab es für uns nicht im vergangenen Jahrzehnt, dafür zwei unglaublich schöne Liebesfilme – ein Genre, für dessen Standards wir nicht viel übrig haben. Aber „Geh nicht fort“ und „Chanson d’amour“, der eine Film italienisch, der andere französisch, sind romantisch, traurig, perfekt gespielt, unsentimental, lehrreich und glaubhaft, kurz: die beiden besten Filme der Nullerjahre. Viele Positionen in unseren Top 10 sind doppelt, einmal sogar fünffach besetzt – aufgrund ihrer sehr ähnlichen Themen gehören sie für uns zusammen und können nicht gegen Filme aus ganz anderen Genres aufgewogen werden. So kommt die Zahl 25 zusammen. Unter den gleichwertigen Filmen steht jedoch der vorne, dem wir bei einem DVD-Abend ganz subjektiv den Vorzug geben würden.

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1. GEH NICHT FORT – DON’T MOVE (2004)
CHANSON D‘ AMOUR (2006)

Über die Liebe ist alles gesagt, es gibt nichts Neues mehr zu zeigen? Falsch: „Geh nicht fort  – Don’t move“ (mit Penelope Cruz in einer Rolle, die viel mehr den Oscar verdient hätte als Charlize Therons „Monster“-Verkleidung) und „Chanson d’amour“ (mit einem sensationellen Gerard Depardieu als demütiger Schlagersänger in der Provinz, der sich in eine junge Großstadtzicke verguckt), zeigen die Liebe, ohne ständig von ihr zu reden. Das ist neu. Und so gut gespielt, dass selbst notorische Liebesfilmhasser gerührt sein werden, das ist ein Versprechen. Und noch eins: Es handelt sich hier nicht um romantische Komödien, ein Genre, das gerne mit Liebesfilmen verwechselt wird. Sicher, es gab in den Nullerjahren aufsehenerregendere Filme als diese beiden, gehypte Filme, optisch eindrucksvollere, aber keine, die so in Erinnerung bleiben, als würden sie zu einem selbst gehören.

2. IRRÉVERSIBLE (2002)
Der berühmteste Geheimtipp der Nullerjahre. Bis heute haben die beiden notorischen Gewaltszenen nichts von ihrer schockierenden Wirkung verloren. Doch in Erinnerung bleibt der Film auch wegen der intensiven Darstellung des Nachtlebens von Paris und der glaubwürdigen Liebesbeziehung (die Hauptdarsteller Monica Bellucci und Vincent Cassel haben einander 1999 geheiratet). Wer diesen Schocker nicht gesehen hat, sollte das schleunigst nachholen: Regisseur Gaspar Noé liefert hier reichlich Stoff für endlose Diskussionen über den Erkenntniswert des Kinos und die Mittel, die zu dessen Steigerung noch legitim sind.

3. VIER MONATE, DREI WOCHEN UND ZWEI TAGE (2007)
COUSCOUS MIT FISCH (2008)
THE WRESTLER (2009)

Drei Sozialdramen auf Platz 2. Was das soll? Es sind Filme über drei ganz unterschiedliche Lebenswelten, die aber eins gemeinsam haben: Sie kommen im westlichen Kino zum ersten Mal vor. Wer jetzt widerspricht, hat wahrscheinlich recht, was wir aber meinen, ist: zum ersten Mal gilt es auch. Das rumänische Abtreibungsdrama „Vier Monate, drei Wochen und zwei Tage“ (Regie: Cristian Mungiu, der dafür die Goldene Palme von Cannes erhielt) spielt im Rumänien der Ceauşescu-Ära, das französische Einwandererdrama „Couscous mit Fisch“ (Regie: Abdel Kechiche, der damit bei den Césars groß abräumte) unter Arabern in Südfrankreich und „The Wrestler“ (mit Mickey Rourke in einer stark karrierefördernden Rolle) im Catcher-Milieu der amerikanischen Vorstädte. Alle drei Filme sind auf kinematographisch höchsten Niveau, was beileibe nicht Kunstkino-Quälereien mit fünfminütigen Kameraeinstellungen und zehnminütigem Anschweigen bedeutet, sondern: originelle, aussagekräftige Blickwinkel, präzise Dialoge und noch nie gesehene Bilder.

4. LOST IN TRANSLATION (2003)
MARIE ANTOINETTE (2006)

Sofia Coppola ist die Senkrechtstarterin unter den Regisseuren: Zwar hatte sie mit ihrem Debüt „The Virgin Suicides“ schon 1999 einen Achtungserfolg, aber zum Star wurde sie durch „Lost in Translation“. An diesem Film stimmt einfach alles, er ist witzig, hat Stil, Atmosphäre und bringt die schönsten Bilder, die es von Tokio bisher im Kino zu sehen gab. Warum ist er dann nicht die Nr.1? Vielleicht weil er einen Tick zu sehr „schwebt“, die Eheprobleme der beiden nie wirklich artikuliert – aber ein Vorwurf kann dies unmöglich sein, denn bestimmt wollte Sofia Coppola genau das. Letztlich ist es also ein Geschmacksurteil. Unsere Nr. 1-3 sind direkter und dramatischer, aber für romantisch-verträumte Stimmungen gibt es aus den Nullerjahren keinen besseren Film als „Lost in Translation“. Und gar überhaupt nur einen besseren als „Marie Antoinette“ gibt es im schwierigen Genre des Kostümfilms: Stephen Frears‘ „Gefährliche Liebschaften“ von 1988. „Marie Antoinette“ ist von der ersten bis zur letzten Einstellung ein Rausch der Farben und der Musik, eine Demontage der Dekadenz, die wie kein anderer Film die unbedingte Notwendigkeit der Französischen Revolution deutlich macht.

5. MIAMI VICE (2006)
INFERNAL AFFAIRS 1 (2002)
INFERNAL AFFAIRS 2 (2003)
Zwei Gangsterfilme auf der Höhe der Zeit: Anders als in früheren Mafiafilmen, „Der Pate“ und „Scarface“ sind da keine Ausnahme, wirkt die Polizei hier auf verlorenem Posten. Der Kampf gegen die Drogen scheint verloren, siehe Mexiko, siehe Afghanistan, und weder „Miami Vice“ noch „Infernal Affairs“ geben da Hoffnung. Außer mit ihrer Aktualität beeindrucken die beiden Filme aber auch mit ihrer formalen Brillanz, bei „Infernal Affairs“ ist es die verzwickte Story, bei „Miami Vice“ die überwältigende Optik und der sensationelle Soundtrack. Kleine Schönheitsfehler: „Infernal Affairs“ fordert die Geduld des Zuschauers mit seinem komplizierten Beziehungsgeflecht stellenweise arg heraus, und „Miami Vice“ zeigt eine Schießerei im Finale, die Michael Mann in „Heat“ schon mal weit besser inszeniert hat.

6. SNATCH (2000)
KILL BILL 1 (2003)
INGLOURIOUS BASTERDS (2009)

Der Schüler übertrifft den Meister: Guy Ritchie hat es mit „Snatch“ doch tatsächlich geschafft, einen cooleren Film zu machen als sein großes Vorbild. Die Welt der harten Gangsterkomödien hat jetzt zwei Meisterwerke, die Nr. 1 und das unerreichte Muster des Genres bleibt natürlich „Pulp Fiction“ (1994), aber schon bald dahinter folgt die Brad-Pitt-Show in „Snatch“ mit einer Gag-Kanonade, an die seither kein anderer Film auch nur annähernd herangekommen ist. Doch natürlich gäbe es keine Guy-Ritchie-Filme ohne Tarantino und der hat nach seinen 90er-Jahre-Klassikern auch in den Nullerjahren zwei absolute Meisterwerke abgeliefert. Es gibt keinen anderen Regisseur, dessen Filme so wenig bis nichts mit der Wirklichkeit zu tun haben und dennoch von der ersten Einstellung an als real akzeptiert werden. Ausdrücklich müssen wir hier betonen, dass „Kill Bill 1“ kein Tippfehler ist: „Kill Bill 2“ fällt dagegen stark ab und ist stellenweise wirklich langweilig. Der 1. Teil aber hat Bilder, die ins kollektive Gedächtnis eingedrungen sind. Und „Inglourious Basterds“ führt einen ganz neuen Ton im Tarantino-Genre ein: Ernst. Im Ganzen ist auch dieser Film natürlich „Pulp Fiction“, aber in vielen Szenen tritt viel Wahres und Schmerzliches über Nazi-Deutschland zutage.

7. SIDEWAYS (2004)
THE GOOD GIRL (2002)

Zwei bittere Komödien, die trotz des traurigen Hintergrunds (öde Provinz, unterfordernde Jobs, müde Ehen, schwache Rebellen) eine beschwingte Aufbruchsstimmung verursachen. In dem einen kämpft sich Jennifer Aniston (richtig gelesen) als Supermarktkassiererin durch eine Liebesaffäre mit einem verquälten Protestler (Jake Gyllenhaal). In dem anderen geht es um eine Weinreise zweier Loser-Freunde. Kann es etwas Langweiligeres geben? Definitiv, denn Regisseur Alexander Payne hat aus einem Null-Thema einen der schönsten und lustigsten Filme der letzten zehn Jahre gemacht. Paul Giamatti spielt den leicht depressiven, erfolglosen Schriftsteller, Thomas Haden Church seinen draufgängerischen Freund, der bisher aber auch nicht viel auf die Reihe gebracht hat. Sie fahren in Kalifornien von einem Weingut zu nächsten, lernen Frauen kennen, beschimpfen sich – zwei große Kinder auf dem schmerzvollen Weg zum Erwachsensein.

8. ZEITEN DES AUFRUHRS (2008)
LITTLE CHILDREN (2006)

Die beiden Filme sind sich thematisch so ähnlich, als wollten sie sich darin bestätigen: Im Wesentlichen verändert die Gesellschaft sich nicht. Klar, heute haben wir das Internet, in den fünfziger Jahren, den „Zeiten des Aufruhrs“ (mit Kate Winslet und Leonardo DiCaprio), waren Waschmaschinen noch technische Avantgarde. Aber auch in „Little Children“, der in der Gegenwart spielt, kämpfen die Menschen mit unerfüllten Wünschen, bedrückenden Ehen, einem eingefahrenen Alltag und vor allem – mit ihrer Selbstüberschätzung. Beide Beziehungsdramen spielen in amerikanischen Vorstädten, die mit ihrer spießbürgerlichen Moral einen enormen Anpassungsdruck auf die Filmhelden ausüben und deren schwammige Oppositionshaltung mehr und mehr aufweichen.

9. HIGH TENSION (2003)
SAW (2004)
HOSTEL (2005)
THE HILLS HAVE EYES (2006)
SILENT HILL (2006)

Begonnen hat die Welle der harten Horrorfilme eigentlich mit Danny Boyles „28 Days Later” von 2002, doch als Zombiefilm nimmt dieser, wenn man so will, „nur“ eine Tradition der 70er Jahren wieder auf. Gänzlich neu dagegen und eine direkte Reaktion auf die Kriege in Afghanistan und Irak sind „High Tension“, „Saw“ und „Hostel“, die in schneller Reihenfolge erscheinen und eine im Kino noch nie gesehene, vollkommen humorlose Brutalität zeigen. In den 90er Jahren war das Horrorgenre ja durch Filme wie „Scream“ zur peinlichen Witzfigur geworden. Alexandre Aja, James Wan und Eli Roth finden für die harte politische Realität der Nullerjahre symbolkräftige Bilder, die einen gemeinsamen Nenner haben: Die nach 1989 undenkbare Grenzüberschreitung – Vergeltungskriege, politische Alleingänge ohne Rücksicht auf internationale Vereinbarungen – ist urplötzlich Realität. Die neue Horrorfilmgeneration, zu der auch Rob Zombie („The Devil’s Rejects“, 2005) gehört, zeigt, was ein solches Verhalten im Privaten für das Zusammenleben der Menschen bedeuten würde.

10. DEATH PROOF (2007)
PLANET TERROR (2007)

Die „Grindhouse”-Vollversion mit allen Fake-Trailern, die in den USA ins Kino kam, gibt es hierzulande leider immer noch nicht. Doch auch so sind dies zwei großartige Filme, die längst nicht so gewürdigt werden, wie sie es verdient haben. „Death Proof“ ist der schwächste Film von Tarantino? Da kann man nur hoffen, dass etwa die deutsche Filmwelt auch mal ein paar wenigstens halb so schwache Kinoproduktionen zustande bringt. Die Dialog“schwächen“ von „Death Proof“ sind gewollt, als Hommage an das Trash-Kino der siebziger Jahre wären elaborierte Gespräche ebenso fehl am Platz wie eine komplexe Handlung. Der Film ist reinstes Kunstkino, jede Szene bis ins letzte Farbdetail durchkomponiert und dennoch nichts als Unterhaltung, die schlicht gute Laune macht – was bei den meisten Filmen mit ähnlichem Anspruch eben nicht funktioniert. „Planet Terror“ ist mit seinen vielen Bildfehlern und Tonstörungen sogar noch deutlicher am Trash-Kino orientiert. Wenn man die beiden „Grindhouse“-Filme vergleicht, ist der Rodriguez-Part sicher der spektakulärere, allerdings hat er, anders als „Death Proof“, gegen Ende etwas Mühe, die Spannungskurve aufrechtzuerhalten.

Christian Gehl


Platz 3: das ergreifende Sozialdrama "The Wrestler" mit Mickey Rourke in der Titelrolle, der dafür aus unbegreiflichen Gründen keinen Oscar bekommen hat. (Foto: Kinowelt)
Platz 3: das ergreifende Sozialdrama "The Wrestler" mit Mickey Rourke in der Titelrolle, der dafür aus unbegreiflichen Gründen keinen Oscar bekommen hat. (Foto: Kinowelt)

Platz 6: Guy Ritchies Partykracher "Snatch", in dem Brad Pitt seinen vielen großen Rollen eine weitere hinzugefügt hat. (Foto: Sony)
Platz 6: Guy Ritchies Partykracher "Snatch", in dem Brad Pitt seinen vielen großen Rollen eine weitere hinzugefügt hat. (Foto: Sony)

Platz 10: Tarantino ist der beste Regisseur des vergangenen Jahrzehnts: Gleich drei Filme hat er in unseren Top 10, es fehlt nur "Kill Bill 2". Im Bild eine Szene aus seinem Gute-Laune-Film "Death Proof". (Foto: Senator)
Platz 10: Tarantino ist der beste Regisseur des vergangenen Jahrzehnts: Gleich drei Filme hat er in unseren Top 10, es fehlt nur "Kill Bill 2". Im Bild eine Szene aus seinem Gute-Laune-Film "Death Proof". (Foto: Senator)

Datum: 08.04.2010

 

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