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Die 10 besten Filme 2008

Die besten Filme von 2008

So gut 2007 war, so mittelmäßig 2008. Ob daran wohl der Autorenstreik schuld gewesen ist, der im vergangenen Jahr sogar die Golden Globes ausfielen ließ? Wenn ja, dann müsste 2009 doch wieder ein gutes Kinojahr werden, schließlich sind die Drehbuchschreiber ja längst wieder an der Arbeit. Doch zurück zu 2008: Richtige Über-Knaller waren im vergangenen Jahr zwar nicht dabei – und damit meinen wir Filme, über die man auch nach Monaten immer wieder zu sprechen kommt, in den unterschiedlichsten Zusammenhängen –, aber ein paar sehr gute Filme gab es doch. Fangen wir mit Platz 10 an:

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10. VICKY CRISTINA BARCELONA
Regie: Woody Allen
Mit: Scarlett Johansson, Penelope Cruz, Javier Bardem, Rebecca Hall
Länge: 96 Min.
Nein, gut ist er nicht, dieser Woody-Allen-Film: unglaubwürdig die Konstellation des Liebesquartetts, flach die Barcelona-Bilder, billig die Dialoge. Warum dann Platz 10? Klar: wegen Penelope Cruz. Die Spanierin liefert in den wenigen Szenen, die sie bekommen hat, eine atemberaubende Vorstellung ab. Ein Panther vor dem Sprung strahlt nicht mehr Energie aus. Mit „Geh nicht fort“ (2004, auch unter dem Titel „Don`t move“ zu finden), „Volver“ (2006) und jetzt „Vicky Cristina Barcelona“ hat sich Penelope Cruz in die vorderste Reihe der Charakterdarstellerinnen gespielt.

9. HELDEN DER NACHT
Regie: James Gray
Mit: Joaquin Phoenix, Mark Wahlberg, Eva Mendes
Länge: 117 Min.
Mafiafilme hatten mal sympathische Helden. Dieser nicht, ebenso wenig wie „Gomorrha“ (dem ihr auf dieser Liste noch begegnen werdet). Desillusionierung ist das Gebot der Stunde, nicht nur, was die Banker angeht. Leider ist das Finale von „Helden der Nacht“ so konventionell, als wär’s ein x-beliebiger Gangsterstreifen – was dieser Film nicht ist. Er hat Atmosphäre, Biss, exzellente Schauspielerleistungen und ein ausgezeichnetes Drehbuch (bis auf… aber das sagten wir ja schon).

8. BURN AFTER READING
Regie: Joel & Ethan Coen
Mit: Brad Pitt, George Clooney, John Malkovich, Frances McDormand
Länge: 95 Min.
Wie gerne würden wir die Coens weiter oben platzieren. Menschen, die Meisterwerke wie „The Big Lebowski“ und „Fargo“ fabrizieren können, haben auf ewig einen Platz im Olymp der Filmgötter verdient. Aber eben nicht für „Burn After Reading“ (und schon gar nicht für „No Country For Old Men“, den wir für einen der am meisten überschätzten Filme des Jahres halten). Die Agenten-Komödie der Coens jedenfalls hat einen Kardinalfehler: Brad Pitt stirbt zu früh. Die beste Figur – Pitt hat zudem mit Abstand die besten One-Liner – tritt etwa zur Hälfte des Films ab, und ab da passiert nicht mehr viel. Aber bis dahin: Hut ab. „Burn After Reading“ ist sicher angenehm anzusehen, die Zeit vergeht (zumindest bis George Clooney Brad Pitt erschießt) wie im Flug und der Plot ist einigermaßen originell (obwohl die Coens, wie gesagt, schon bessere drauf hatten).

7. LORNAS SCHWEIGEN
Regie: Jean-Pierre Dardenne, Luc Dardenne
Mit: Arta Dobroshi, Fabrizio Rongione, Olivier Gourmet
Länge: 105 Min.
Was ist nur mit den Filmenden los? „Helden der Nacht“ mündet in eine Hasenjagd im Schilf, „Burn After Reading“ findet eigentlich gar kein Ende, sondern verpufft irgendwann völlig wirkungslos, „There Will Be Blood“ rettet sich zum Schluss in ein „Citizen Kane“-Szenario (der tiefe Fall des großen Helden) und „Lornas Schweigen“ lässt den Zuschauer ratlos zurück. Wahrscheinlich soll das Finale im Wald so etwas wie ein offener Schluss sein, doch er wirkt nur kraftlos und unentschlossen. So, als würden die Regisseure die gedankliche Arbeit gerne an den Zuschauer abgeben. Dabei sind gerade die Dardenne-Brüder für ihre konzentrierten Arbeiten bekannt. Und auch „Lornas Schweigen“ ist (genau wie zuvor „Das Kind“) ein sehr genauer Film, der Spannendes über seine Figuren zu erzählen weiß – in diesem Fall eine Albanerin, die sich in Lüttich mit gefährlichen Methoden eine neue Existenz aufbauen will. Dass sie am Ende kurz davor steht, wahnsinnig zu werden oder es vielleicht schon ist, wird zu wenig eingeführt, als dass der Zuschauer dies als Erkenntnisgewinn akzeptieren könnte.

6. MICHAEL CLAYTON
Regie: Tony Gilroy
Mit: George Clooney, Tom Wilkinson, Tilda Swinton
Länge: 120 Min.
Die atmosphärische Dichte von „Insider” besitzt „Michael Clayton“ nicht, auch nicht dessen epischen Atem. Aber Tony Gilroys Thriller aus dem Alltag der Globalisierung ist ein ehrliches Stück Aufklärungskino – und spannend allemal. Nur: eine Lösung bietet der Film nicht. Das Ende hinterlässt eher das Gefühl, dass alles so weiter geht wie bisher. Vielleicht ist das beabsichtigt. Unbefriedigend bleibt es trotzdem. Im schlimmsten Fall erzeugt es Gleichgültigkeit gegenüber „denen da oben“.

5. DER MANN, DER NIEMALS LEBTE
Regie: Ridley Scott
Mit: Leonardo DiCaprio, Russell Crowe, Mark Strong
Länge: 128 Min.
Wieso Ridley Scotts Filme neuerdings stets unterschätzt warden, ist ein Rätsel. „Tricks“, „Königreich der Himmel“, „American Gangster“ – alles exzellente Filme, die weder von der Kritik noch vom Publikum ihrem Rang gemäß beachtet wurden. Auch „Der Mann, der niemals lebte“ ist glänzend gemacht, durchwegs spannend und mit spektakulären Schauplätzen optisch ein Gewinn. Dazu ist es sicher der beste Film über Terrorismus, den Hollywood bisher produziert hat. Und: Leonardo DiCaprio ist zum ersten Mal in einer erwachsenen Rolle richtig überzeugend. Ein Film zum Mehrmals-Sehen.

4. TÖDLICHE ENTSCHEIDUNG
Regie: Sidney Lumet
Mit: Ethan Hawke, Philip Seymour Hoffman, Marisa Tomei
Länge: 117 Min.
Die größte Überraschung des Jahres: Sidney Lumet, der in den 70ern mit „Serpico“ und „Hundstage“ zwei Klassiker schuf, bringt mit „Tödliche Entscheidung“ (im Original „Before The Devil Knows You’re Dead“ – warum, bitte, im Deutschen dann dieser Allerweltstitel?) also Lumet bringt einen erstklassigen Thriller raus, dessen Handlung so originell und überraschend ist, wie in diesem Genre lange keine mehr. Schauspielerisch ist der Film makellos (vor allem Philip Seymour Hoffman und Marisa Tomei sind zum Niederknien großartig) und vor allem: er hält die Spannung konsequent durch und findet ein Ende, dass dem Plot gerecht wird – keine Selbstverständlichkeit im vergangenen Jahr, siehe oben.

3. GOMORRHA
Regie: Matteo Garrone
Mit: Salvatore Abruzzese, Simone Sacchettino, Salvatore Ruocco
Länge: 135 Min.
Kein „Pate” mehr, keine „Good Fellas” – die neuen Kino-Mafiosi kleiden sich wie normale Geschäftsleute und gehen normalen Jobs nach. Drogenhandel gibt es zwar auch, aber in dem sensationellen, augenöffnenden Mafiafilm „Gomorrha“ (völlig zu Recht mit dem Europäischen Filmpreis 2008 ausgezeichnet) wirkt er eher wie ein Relikt von früher. Andere Branchen bieten leichteres Geld: die Modeindustrie etwa oder Giftmüllentsorgung. In „Gomorrha“ funktioniert die Mafia wie ein Unternehmen, aber eben mit eigenen Regeln, nicht jenen des Staates oder der Gesellschaft. „Gomorrha“ ist ein großartiger Film, mit einem knallharten Look, der am ehesten an „Amores perros“ erinnert.

2. CONTROL
Regie: Anton Corbijn
Mit: Sam Riley, Alexandra Maria Lara, Samantha Morton
Länge: 121 Min.
Filme über Musiker (und erst recht über Schriftsteller) sind meistens ein Reinfall. Vielleicht weil es um Konkurrenzprodukte zum Medium Film geht (Platten und Bücher), vielleicht aber auch, weil Kreativität sich schwer bebildern lässt (schließlich sind Filme über das Filmemachen die allerschrecklichsten überhaupt). „Control“ hat’s aber geschafft: Wenn man den Film sieht, glaubt man zu verstehen, was Genialität bedeutet. Was es heißt, wenn man das Innerste ins Äußerste kehrt. Das zu Kunst verwandelt, was einen wirklich bewegt, was einen kümmert. „Control“ zeigt vordergründig die Entstehung von Joy Division, aber eigentlich geht es darum, wie Musik entsteht – keine nachgemachte, sondern eine, die es zuvor nicht gab. Ian Curtis, der geniale Sänger und Komponist von Joy Division, hat sie förmlich aus sich herausgepresst – und Sam Riley, der Schauspieler, bringt das auf kongeniale Weise auf die Leinwand.

1. STREET KINGS
Regie: David Ayer
Mit: Keanu Reeves, Naomie Harris, Forest Whitaker
Länge: 115 Min.
Ob die Polizei von Los Angeles wirklich so korrupt ist wie in „Street Kings“, spielt keine Rolle. David Ayers aufregender Polizeifilm, der in seinen besten Moment an Michael Manns Über-Klassiker „Heat“ erinnert (obwohl es da nicht um Korruption geht, aber die Action-Szenen sind ähnlich intensiv), spielt wahrscheinlich nur zufällig in der Stadt der Engel. Aber dass Kriminalität und Obrigkeit in vielen Staaten und Städten dieser Welt ein symbiotisches Verhältnis eingehen, wird niemand bestreiten. Und darum geht es in „Street Kings“, und das auf eine wuchtige Art, die alles beinhaltet, was Kino so vital macht: Kraft, Leidenschaft, Wahrheit und die Fähigkeit, alles zu erschüttern, was man bisher für ausgemacht hielt.

Christian Gehl


Geschäftsleute unter sich: Szene aus "Gomorrha", unserer Nr. 3 in 2008. Foto: Prokino
Geschäftsleute unter sich: Szene aus "Gomorrha", unserer Nr. 3 in 2008. Foto: Prokino

Auch als Blu-Ray erhältlich: Unsere Nr. 2 in 2008. Foto: Capelight
Auch als Blu-Ray erhältlich: Unsere Nr. 2 in 2008. Foto: Capelight

Als Director's Cut auf DVD und Blu-Ray mit aufwendigem Binusmaterial: Der beste Film des vergangenen Jahres. Foto: Fox
Als Director's Cut auf DVD und Blu-Ray mit aufwendigem Binusmaterial: Der beste Film des vergangenen Jahres. Foto: Fox

Datum: 28.02.2010

 
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